Lotte Tobisch: Bei Irak-Krieg kein Opernballbesuch

11. Februar 2003, 10:40
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Veranstaltung soll aus wirtschaftlichen Interessen aber auf jeden Fall stattfinden

Die ehemalige Opernball-Organisatorin Lotte Tobisch wird bei einem Irak-Krieg der Veranstaltung am 27. Februar fernbleiben. "Das wäre so schrecklich, was dort passiert, wenn ein Krieg ausbricht, dass mir persönlich einfach nicht nach feiern zu Mute ist", meinte Tobisch. Aus wirtschaftlichen Gründen solle der Ball aber stattfinden. "Es ist ja nicht jeder so wie ich. Ich bin kein Geschäftsmensch, ich bin ein künstlerischer Mensch."

Persönlich nicht nach tanzen zumute

Beim ersten Irak-Krieg vor zwölf Jahren fand - unter der Organisation von Tobisch - der Opernball nicht statt. "Ich habe ihn aber nicht abgesagt, sondern die damalige Bundesregierung", so Tobisch. Sie habe lediglich im Vorfeld darauf hingewiesen, dass sie die Situation so belaste, dass ihr persönlich eigentlich nicht nach tanzen sei. Wirtschaftlich sei die Entscheidung auch falsch gewesen.

Damals hatten sich eine Reihe von Politikern für eine Absage stark gemacht. Der ehemalige Bürgermeister Helmut Zilk hatte eine Abhaltung gar als "unziemlich" tituliert. "Zilk war halt ein Politiker, der ein großes Herz hatte", meinte Tobisch. Das Schneeballsystem, das mit der Absage ausgelöst wurde - und mit der Annullierung sogar zahlreicher Maturabälle endete -, fand die Organisatorin sonderbar: "Es ging ja nicht darum, die kleinen Vergnügen abzusagen, sondern einen offiziellen Staatsball."

"Die einen tanzen und die anderen sterben"

Die Situation eines neuerlichen Krieges sei für sie so belastend, dass der Besuch eines "Monstervergnügens" für sie wie dem Opernball nicht möglich wäre. "Ich weiß natürlich, dass die Welt so ist, dass die einen tanzen und die anderen sterben. Ein Irak-Krieg wäre aber kein regionaler Konflikt", meinte die ehemalige Opernball-Organisatorin. Ein Waffengang könnte verheerende Auswirkungen bis nach Israel und den Rest der Welt haben.

Von einer neuerlichen Absage der Veranstaltung hält Tobisch nichts. "Es leben ja viele Menschen von dem Ball wie Kellner, Köche und Friseure, die keine Millionäre sind", meinte die ehemalige Organisatorin. Zudem würden die wirtschaftlichen Gründe auch für das Sangeshaus am Ring einfach überwiegen.

"Ich weiß, was ein Krieg ist"

Die persönliche Meinung von Tobisch resultiert nicht zuletzt aus ihrer Geschichte. "Ich bin ein Kriegskind. Ich musste zwar Gott sei Dank nicht hungern, aber ich weiß, was ein Krieg ist", sagte Tobisch. Gerade deshalb hoffe sie, den Opernball 2003 besuchen zu können.

Organisatorin Elisabeth Gürtler hatte bereits im Vorfeld eine Absage ausgeschlossen. Stattdessen könnten andere Initiativen wie etwa eine Spendensammlung überlegt werden. (APA)

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    Lotte Tobisch

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