EZB muss Konjunktur-Prognosen senken

11. Februar 2003, 17:10
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Schwächeres Wachstum in der Euro-Zone macht optimistischen Ausblick zunichte

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung des finnischen Notenbankchefs Matti Vanhala ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft der Euro-Zone für 2003 senken müssen.

"Schon jetzt kommen wir von unserer Dezember-Prognose ab. Die US-Wirtschaft wächst langsamer, die Wachstumsraten in Europa sind schwächer", sagte EZB-Ratsmitglied Vanhala in einem Interview mit der Financial Times Deutschland. Die EZB hatte ihre Wachstumsprognose im Dezember um einen Prozentpunkt auf 1,1 bis 2,1 Prozent reduziert und geht bisher davon aus, dass sich das Wachstum bis zum Jahresende dem Potenzialwachstum entsprechend auf Raten von bis zu 2,5 Prozent beschleunigen wird.

"Wir sollten eine stetige Erholung sehen, aber wir sind nicht sicher, wann wir das Potenzialwachstum erreichen. Oder wo das Potenzialwachstum derzeit liegt", sagte Vanhala. Er sei nicht überrascht, wenn die Zentralbank im Frühjahr ihre interne Prognose für das Wirtschaftswachstum nach unten revidieren müsse. Dies hatte bereits auch EZB-Präsident Wim Duisenberg nach der Ratssitzung in der vergangenen Woche eingeräumt, als die EZB wie weithin erwartet den Leitzins von 2,75 Prozent unverändert ließ.

Die Notenbank hatte erst im Dezember mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte der schwachen Konjunktur und dem damit verbundenen Rückgang der Inflationsrate Rechnung getragen. Da ein Aufschwung wegen der anhaltend hohen Unsicherheit in der Wirtschaft, die vor allem durch einen drohenden Irak-Krieg noch gewachsen ist, in diesem Jahr womöglich abermals ausbleibt, erwarten die meisten Volkswirte eine weitere Zinssenkung der EZB. Duisenberg hatte auf gewachsene Risikofaktoren für die Konjunkturerholung hingewiesen und damit die Bereitschaft der EZB zu einer geldpolitischen Lockerung signalisiert.

Entscheidend dafür wird aber sein, ob die Jahresteuerung absehbar dauerhaft unter die Grenze von zwei Prozent sinkt, bis zu der die Notenbank ihr oberstes Ziel, ein stabiles Preisniveau erreicht sieht. "Die Euro-Stärke ermöglicht Preisstabilität", äußerte sich Vanhala zuversichtlich, fügte aber hinzu: "Wir sind uns nicht sicher, wie stark der Druck auf die Inflation nachlässt." Vanhala sagte der Zeitung zufolge, er sei nicht sicher, ob es schon im März zu einer Zinssenkung kommen werde. "Wir müssen die nächsten Daten beobachten." (APA/Reuters)

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