Südkorea will Unterstützung der EU im Atomstreit mit Nordkorea

11. Februar 2003, 09:33
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Kim Dae Jung: Keine Beweise für Atomwaffen in Nordkorea

Seoul - Die Europäische Union kann nach Ansicht des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung bei der Beilegung des Atomstreits mit Nordkorea eine hilfreiche Rolle spielen. Falls eine hochrangige EU-Delegation Pjöngjang besuche, würde dies zu einer baldigen Lösung der Nuklearfrage beitragen, wurde Kim am Dienstag vom Präsidialamt in Seoul nach einem Treffen mit dem außenpolitischen Beauftragten der EU, Javier Solana, zitiert.

Kim Dae Jung, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist, habe Solana gesagt, dass der Schlüssel für die Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm in Gesprächen zwischen Pjöngjang und Washington liege, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Die EU könne helfen, einen Dialog zwischen Nordkorea und den USA in Gang zu bringen. Südkorea hat sich bisher im Atomstreit für eine Vermittlerrolle zwischen dem kommunistischen Nachbarstaat und den USA eingesetzt.

Solana habe Kim Dae Jung zugesagt, dass die EU dessen Botschaft bei einem Besuch in Nordkorea übermitteln werde, sagte der Sprecher. Über den Zeitpunkt eines geplanten Besuchs in Pjöngjang habe sich Solana jedoch nicht geäußert. Ein ursprünglich für diese Woche vorgesehener Besuch einer EU-Delegation in Nordkorea war zuvor auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Während seines dreitägigen Besuchs in Seoul will Solana noch mit Kim Dae Jungs gewähltem Nachfolger Roh Moon Hyun sowie Außenminister Choi Sung Hong zusammentreffen.

Südkorea sieht keinen Beleg für die amerikanische Darstellung, dass Nordkorea bereits im Besitz von Atomwaffen sein könnte. Ministerpräsident Kim Suk Soo sagte am Montag vor dem Parlament in Seoul, zwar sei anzunehmen, dass Nordkorea vor 1994 genug Plutonium gewonnen habe, um ein bis zwei Bomben herzustellen. "Aber da es keine Bestätigung für die Produktion von Atomwaffen gibt, gehen wir davon aus, dass sie keine besitzen." US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte am Freitag gesagt, die meisten Geheimdienste wüssten, dass Nordkorea über "ein bis zwei" Atombomben verfüge. (APA/dpa)

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