Hollywood-Promis kritisieren US-Politik

11. Februar 2003, 08:01
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Dustin Hoffman: US-Regierung manipuliert die Bevölkerung

Berlin - Eine Benefiz-Gala unter Schirmherrschaft von UNICEF-Botschafter Roger Moore hat am Montagabend in Berlin 250.000 Euro für Not leidende Kinder in Krisengebieten wie Tschetschenien und Kambodscha erbracht. Unter dem Motto "Cinema for Peace" fanden sich am Rande der Berlinale rund 600 Gäste aus Film, Kultur, Wirtschaft und Politik zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten des UNICEF-Projekts "Kinder in Kriegsregionen" ein. Prominente aus den USA, Großbritannien und Deutschland nutzen den Abend zugleich zu einem eindringlichen Plädoyer gegen einen Irak-Krieg.

US-Filmstars wie Faye Dunaway, Dustin Hoffman und George Clooney steigerten nach einem Gala-Diner an der Seite deutscher Kino-Stars wie Veronica Ferres, Hannelore Elsner, Iris Berben und Ralf Moeller bei einer Benefiz-Auktion kräftig mit. Unter den Hammer kamen unter anderem Requisiten des Boxers Wladimir Klitschko aus dem Kinohit "Ocean's Eleven", eine Gastrolle in Elsners neuem Film und ein Abendessen mit Veronica Ferres. Schauspielerin Ferres ersteigerte prompt die Gastrolle im Film ihrer Kollegin Elsner für 11.000 Euro. Denselben Preis erzielte das Film-Schwert von Ralf Moeller aus dem Hollywood-Hit "Gladiator".

Nachdenkliche Momente leitete US-Schauspieler Dustin Hoffman ein, der angeregt durch zahlreiche Fragen von Journalisten zur aktuellen Situation im Irak-Konflikt spontan ein Plädoyer für den Frieden wagte: Mit zitternder Stimme kritisierte er, die US-Regierung habe den Irak und die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan früher massiv unterstützt, um eigene Interessen durchzusetzen. Nun nutze sie die Trauer um den 11. September 2001 im eigenen Land, um die amerikanische Bevölkerung zu manipulieren. In seiner Rede, auf die minutenlange stehende Ovationen folgten, ermutigte er alle Kriegsgegner: "Die Regierung wissen zu lassen, was die Menschen wollen, kann sie ins Stocken bringen." Krieg sei nie die Lösung für Konflikte. Die USA haben dem Irak mit Krieg gedroht, sollte das Land die Abrüstungsforderungen der UNO nicht erfüllen.

Moore schöpft Hoffnung

Auch Roger Moore, der als britischer Geheimagent James Bond in seinen Filmen oft die Welt vor gefährlichen Schurken gerettet hat, sprach sich gegen einen Krieg aus: "In den letzten 24 Stunden durften wir Hoffnung schöpfen, dass der Krieg doch noch vermeidbar ist." Es müsse genau abgewogen werden, bevor militärische Schritte eingeleitet würden, warnte der britische Schauspieler.

Deutsche Stars unterstützten die Haltung ihrer amerikanischen Kollegen. Elsner sagte: "Dustin Hoffman hat uns aus der Seele gesprochen. Keiner hier will den Krieg." Ferres gab zu Bedenken: "Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass eine friedliche Lösung für den Irak-Konflikt möglich ist. Das ist für mich der Anlass, heute hier zu sein."

Vor der Gala hatte der irische Musiker Bob Geldof durch die Filmpremiere der Kriegssatire "No Man's Land" des bosnischen Regisseurs Danis Tanovic geführt. Muskelmann Moeller hatte die "Weltfriedens-Flamme", ein internationales Symbol für das Bemühen um Frieden, am Brandenburger Tor in Empfang genommen und diese, einen "Friedens-Gang" durch Berlin anführend, zum Gendarmenmarkt gebracht. (APA/Reuters)

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    Benefizprominenz v.l.n.r.: UNICEF-Botschafter Moore, Lee und Hoffman

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