Für Europas Halbleiterindustrie ist China größter Hoffnungsmarkt

10. Februar 2003, 20:36
posten

Digitales TV löst PC als Konjunkturmotor ab 300 Experten bei Strategie-Symposion in Villach

Die europäische Halbleiter-Industrie setzt große Hoffnungen in den chinesischen Markt, praktisch alle großen europäischen Player wollen dort investieren, so sie nicht schon vertreten sind. Bei einem Strategie-Symposion in Villach war daher am Montag auch China zentrales Thema unter den mehr als 300 Experten aus aller Welt. Für die nahe Zukunft ist man vorsichtig optimistisch, ein Produkt, das einen Boom auslösen könnte wie zuletzt das Mobiltelefon, ist aber derzeit nicht in Sicht.

"Das ist ein Markt von 1,3 Milliarden Konsumenten."

Malcolm Penn, Chef des britischen Marktforschungsinstitutes Future Horizons, erklärte bei einem Pressegespräch im Congress Center, für die Halbleiterindustrie gebe es zu einem Engagement in China keine Alternative: "Das ist ein Markt von 1,3 Milliarden Konsumenten." Auch für Peter Bauer von Infineon München ist China "eine große Chance". Man habe bereits Joint Ventures geschlossen, sagte Bauer, die sich gut entwickeln würden.

Wie Jean-Philippe Dauvin, Vizepräsident der französischen ST Microelectronics, erklärte, wachse etwa der Markt für digitales Fernsehen in China schneller als in den Vereinigten Staaten. Für Dauvin sind Digital-TV, DVD und Digitalkameras momentan die stärksten Konjunkturmotoren für die Halbleiterbranche, die den schrumpfenden PC-Markt ausgleichen würden. Einen Wachstumsmarkt stellt nach wie vor auch die Automobilindustrie dar, der Elektronik-Anteil in Pkw wächst ständig an.

"Viel zu viel."

Im Wettrennen um den chinesischen Markt habe Europa momentan gegenüber den Vereinigten Staaten die Nase vorn, erklärte Malcolm Penn. Er warnte allerdings im Gespräch mit der APA vor Übertreibungen: "Ich habe während dieses Symposions gehört, welche Summen die Unternehmen in den nächsten fünf Jahren in China investieren wollen, das ist viel zu viel." Die Entwicklung müsse langsamer verlaufen, sonst würden die europäischen Volkswirtschaften massive Einbußen erleiden.

"Wir haben das am Beispiel Japan ebenso erlebt wie am Beispiel Südkorea", warnte Penn. Wenn zu viel Produktivität nach China verlagert werde, dann werde es in Europa zu einer Rezession kommen. Zugleich relativierte Penn die seiner Ansicht nach übertriebenen Erwartungen in den chinesischen Markt. "Die meisten Chinesen werden noch lange nicht das Geld haben, um sich Mobiltelefone, digitale Fernseher oder Personal Computer leisten zu können." Penn rät die Unternehmen zu "sorgfältiger und vor allem langfristiger Planung" eines China-Engagements, das zwar große Chancen, aber auch erhebliche Risiken bergen würde.(APA)

Share if you care.