Keine Frage von Metern

10. Februar 2003, 19:50
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Die Unesco wird nicht vorgeben, wie hoch die vier Türme in Wien-Mitte sein dürfen - Konzepte der Stadtplaner werden aber erwartet

Die Unesco wird nicht vorgeben, wie hoch die vier Türme in Wien-Mitte sein dürfen, erwartet aber Konzepte für die Wiener Stadtplanung. Beim Bauträger wird derweil das Projekt neu berechnet, damit es Welterbe-verträglich wird.


Wien - Ein paar Meter höher oder niedriger - bei der Unesco und ihrem Beirat Icomos will man sich nicht mit der tatsächlichen Höhe der vier Türme in Wien-Mitte beschäftigen. Man wolle nicht um einzelne Meter ringen, die die Türme in die Luft ragen dürfen, erklärt Michael Petzet, Chef der Icomos, gegenüber dem STANDARD. Es dürfe aber das Welterbe "Innere Stadt" nicht zerstört werden.

Vielmehr erwarte man konkrete Vorschläge seitens der Stadt, wie sie künftig mit dem Welterbe in der Innenstadt umzugehen gedenke. Mehr kommentiere er jetzt nicht zu den soeben erfolgten Gesprächen zwischen Unesco-Vertretern und dem Wiener Planungsdirektor Arnold Klotz in Paris, beschied Petzet. Nur noch so viel: "Die Gespräche waren konstruktiv."

Auch seitens der Stadt spricht man von offenen und sachlichen Pariser Gesprächen. Dennoch ist Planungsdirektor Klotz mit einer Vorgabe nach Hause gefahren: Die Unesco erwartet von der Stadt konkrete Vorschläge, wie sie die Altstadt vor neuen überdimensionierten Projekten schützen will, konkret wie es etwa mit der Denkmalpflege aussehe.

Seit Monaten wird an dem Projekt zur Überbauung des Bahnhofs Wien-Mitte Kritik geübt: überdimensioniert, unzureichende Informationspolitik seitens des Investors Bank Austria Immobilien Gmbh (BAI) oder auch seitens der Stadt. Die BAI verfügt jedenfalls über einen Baubescheid. Die FPÖ hofft, dass dieser nach Anrainerklagen aufgehoben werden könnte.

Bereits im September des Vorjahres hat die Stadt Wien der Unesco eine Dokumentation zu Wien-Mitte vorgelegt. Die Icomos hat ihrerseits Stellung genommen. Eine Entscheidung, ob Wien Welterbe bleibt, wird im Juni bei der nächsten Unesco-Konferenz getroffen. Noch nie ist das Welterbe-Prädikat aberkannt worden. Wien könnte zum warnenden Exempel hochstilisiert werden.

Redimensionierung

Vor Wochen wurde angekündigt, dass die BAI die Kubatur des Projekts neu berechnen würde, um an "der Turmhöhe kratzen" zu können. Bis dato ist an Architekt Heinz Neumann kein Ersuchen gegangen, die Überbauung in Wien-Mitte neu zu gestalten, wie er mitteilte. Seitens der BAI war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Es wurde aber bereits mehrmals betont, dass sich eine Verringerung der Geschäfts-und Büroflächen nicht rentieren würde, der Bau könne dann nicht gewinnbringend vermietet werden. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2003)

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    Sind die vier bis zu 97 Meter hohen Türme in Wien-Mitte welterbekompatibel? Es geht schon längst nicht mehr um einzelne Meter, sondern um Grundsätzliches: die Wiener Politik zur Altstadterhaltung, sagt man bei Icomos.

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