Wert und Würde des Wassers um Pröll

11. Februar 2003, 19:00
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11.02.2003 - Wie Zeit vergeht! Schon ist die erste Arbeitswoche der neuen "Krone"-Chefs wieder vorbei, und wenn man "Format" glauben darf, herrscht Frieden im Pressehaus ...

Woch die Ruhe täuscht. Kein Wunder, antwortete doch der WAZ-Statthalter in Wien, Friedrich "Bibi" Dragon, auf die Frage Die WAZ hat sich bisher nie in Inhalte der "Krone" eingemischt. Ändert sich das jetzt? mit einem drohenden: Kommt darauf an, ob es einen Anlaß dafür gibt.

Wer suchet, der findet - das gilt auch für Anlässe, und Cato Minor könnte leicht für einen solchen gut sein. Keine Frage für "Format", daß der Junior unter der Knute seines alten Herrn steht oder stand. Und was hat diese repressive Pädagogik gebracht? Er hat den Redakteursberuf nicht von der Pike auf gelernt und man kann nicht heute Go-Kart und morgen Formel 1 fahren, reißt der Statthalter ein familiäres Problem an, das "Format" weiterspinnt. Für Hans D. ist Christoph aber auch die letzte familieninterne Personalhoffnung. Johanna, die Erstgeborene, hat sich als Ex-Model und glücklose Ex-Galeristin ins Privatleben verabschiedet. Michael "Snoopy" legte mit dem burgenländischen Biobauerngut Csárdáshof eine Riesenpleite hin.

Ja, ein Volk und seine Politiker einem medienzaristischen Regime zu unterwerfen ist hier leicht, aber das Erbgut mit den Mysterien des Redakteurberufes von der Pike auf vertraut zu machen - das ist etwas ganz anderes. Kein Wunder, dass sich der Alte so oft King-Lear-mäßig in die Tierecke zum Hundestreicheln zurückzieht. Kann ihn der Thronfolger dort festnageln? Bald wird sich weisen, ob er diktiert, was Blattaufmacher wird - oder noch immer der Herr Papa. Ihm hat der Junior bis jetzt noch jede Titelzeile vorgelegt. Doch zum Erstaunen aller hat der keinen Strich geändert.

Ob das auch für die zentrale Botschaft des christlichen Familienblattes - die Frau von nebenan - gilt, hat "Format" nicht erhoben. Zwar war eine leichte Verlagerung der fetischistischen Energie in den textilen Bereich festzustellen, aber das schon als generationsbedingte Änderung der Blattlinie zu definieren, wäre gewagt. Wie abgerissen hingegen waren in dieser ersten Woche der neuen Herrschaft die Wahlkampfauftritte des niederösterreichischen Landeshauptmannes in der "Krone", was angesichts seiner massiven Präsenz in den Tagen zuvor wie ein Schock wirkte.

Erwin Pröll ehrte die "Rosine" Lore Krainer, war etwa im Adabei zu lesen, und zwar mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um Niederösterreich - eine Tätigkeit, auf der vor Wahlen ein besonderer Segen liegt. Die Ehrung erfolgte erstens, weil Lore jenes der Grünen Mark schon lange besitzt, und zweitens, weil Erwin von Niederostarrichi, der genialische Vereinnahmer Frau Krainer genialisch vereinnahmt hat, weil sie drittens seit 1975 in Oberwaltersdorf wohnt. Wenn das keine Verdienste um Niederösterreich sind!

Zwei Tage später, am letzten Sonntag im Jänner, stand die "Krone" im Zeichen der Prölls. Mit einem Riesenschritt startet das Land Niederösterreich in das heurige internationale Jahr des Süßwassers: Freitagabend präsentierte Landeshauptmann Erwin Pröll im Schloss Laxenburg eine umfassende Wassercharta zum Schutz unserer so wertvollen Ressourcen. Mit dabei u. a. Günther Nenning, der, wie ein Foto zeigte, von Pröll ein Glas Süßwasser eingeschenkt bekommt.

Und in der Farbbeilage desselben Tages wurde gleich Prölls gesamte Familie, besonders seine Frau sowie deren segensreiches, aber auch ein wenig rätselhaftes Wirken vorgestellt. Sissi Pröll (52) arbeitet zwei Tage pro Woche im Krankenhaus Klosterneuburg. . . . Gemeinsam mit einem engagierten Team schuf sie ihren eigenen Arbeitsplatz und noch drei weitere dazu. Die Schwestern wurden eingestellt, weil sich die Zahl der Geburten in diesem einen Jahr mehr als verdoppelt hatte! Und alles selbst geschaffen! Das ist einem in Österreich einzigartigen Projekt zu verdanken, das Sissi Pröll von Anfang an mitgestaltete. Wenn Österreich demnächst einen Geburtenüberschuss aufweist, wissen wir, wem wir das verdanken.

Erschlagen von diesem Kindersegen nahm der Leser ein paar Tage später in der Rubrik Ombudsmann Dr. Zilk kämpft für Ihr Recht! zur Kenntnis, wie Hofrat Heribert Höllrigl vom Amt der Nö. Landesregierung lädiert nach einem bösen Sturz auf Glatteis, aber glücklich das "Silberne Komturkreuz des Ehrenzeichens für die Verdienste um das Bundesland Niederösterreich" von "seinem" Landeshauptmann Erwin Pröll entgegennahm.

Am selben Tag wärmte Nenning in seiner Kolumne das Süßwasser wieder auf. "Schämen wir uns!" - sagte Pröll, weil er ein ehrlicher Mensch sein und bleiben will. Allzu lang ist in der Politik Wert und Würde des Wassers schmählich übersehen worden. Doch Pröll versprach: Er werde dafür sorgen, dass der Schutz des Wassers in die Verfassung seines Landes Niederösterreich komme.

So viel Wasser macht die "Krone" sonst nur in Wien - um Häupl. Werden die neuen Chefs diese gezielte Überparteilichkeit erhalten? (DER STANDARD, Printausgabe vom 11.02.2003)

Von Günter Traxler
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