Beziehungsfrust

10. Februar 2003, 19:11
4 Postings

SPÖ und FPÖ droht nach dem derzeitigen Stand der Dinge die Opposition - Beiden Parteien ging es zweifellos schon besser - von Samo Kobenter

Den beiden Parteien, die sich nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge zum Gang in die Opposition respektive zum Verbleib darin rüsten, ging es zweifellos schon besser. Die FPÖ hat genug damit zu tun, den Fleckerlteppich ihres Zustandes nicht als Dokument jämmerlicher Zerrissenheit, sondern als gewolltes strategisches Puzzle darzustellen, dem zur Vollkommenheit nur noch ein unwesentlicher Stein fehlt: der Eintritt in das zweite Kabinett Schüssel.

Die SPÖ wiederum vermittelt - ja, was eigentlich? Einen Eindruck akuter Depression? Auch, aber noch auffallender ist die unangebrachte Angerührtheit, mit der sie die Grünen bedenkt, fast wie in schlechten Filmen die sitzen gelassene Verlobte, deren Haberer die letzte Gelegenheit vor dem finalen Gang genutzt hat, sich mit einer Fescheren aus dem Staub zu machen. Erstens soll man Reisende - nicht nur in Liebesdingen - nicht aufhalten. Das tut den Beteiligten bloß weh und ändert am Faktum nichts, dass vorbei in den meisten Fällen vorbei bedeutet. In diesem Fall zumindest für vier Jahre.

Zweitens hat die SPÖ - und das sollten besonders die bedenken, die jetzt ihre große Zuneigung zu den Grünen entdecken - alles getan, um sie zu verscheuchen, als diese zu einer festen Beziehung bereit waren. Im Wahlkampf hat die SPÖ dem Werben der Grünen, sich doch auf eine rot-grüne Koalition nach der Wahl festzulegen, in einer Form den Weisel erteilt, die ihren jetzigen Schmerz ob des Verlustes nicht eben glaubwürdig erscheinen lässt. Daran ändern nachträgliche Liebesbrieflein nichts, die scheinheilig vor der Ansteckungsgefahr warnen, die vom neuen präsumtiven Partner drohe. Die Grünen werden ihre Erfahrungen schon selbst machen, sie hätten sie auch mit der SPÖ gemacht, es hat eben nicht sollen sein. Noch nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2003)

Share if you care.