Selbstmord im hohen Norden

2. März 2003, 23:43
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"Norway.today" auf Salzburgs Elisabethbühne

"Suizid-Foren" nennen sich die virtuellen Treffpunkte für jene, die im Netz über Selbstmord reden wollen. Und was als Chat beginnt, endet in der Realität oft tatsächlich tödlich. Ein Modell mit (vermutlich) gutem Ende hat im Jahr 2000 der Dramatiker Igor Bauersima entworfen. Norway.today zeigt, was geschieht, wenn sich dem nicht greifbaren World Wide Web das reale Leben mit all seinem Gefühlsdurcheinander entgegenstellt.

Und genau auf dieser Ebene setzt die Inszenierung von Peter Arp an der Elisabethbühne (Ausstattung: Alexander Schatzmann) an: Außer einem mobilen CD-Player haben Julie (Charlott Kreiner) und August (Nicolas Marchand) auf den höchsten norwegischen Felsen nichts an Technik mitgebracht. Vor ihnen liegt der Abgrund, zwischen ihnen Vorbehalte und die Möglichkeit, den Entschluss doch nicht umzusetzen.

Diese Bühnenfassung kürzt Bauersimas Text stark ein und reduziert das Spiel auf die Entwicklung zwischen den beiden Figuren. Und so wird zu einer der intensivsten Szenen der Wendepunkt im Geschehen, wenn sie ihren gemeinsamen Sex fantasieren und sich damit selber ins Leben zurückholen. (still/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2003)

Elisabethbühne
Salzburg
0662/8085-85
19:30 Uhr
  • Artikelbild
    foto: elisabethbühne
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