Frisbee in der Familienmanege

2. März 2003, 23:55
posten

"Die Erzählung der ganzen Geschichte" verspricht Familienzirkus mit Gottliebeau, Ernesteau und Alberteau - Im dietheater Künstlerhaus

Ein Vater lädt nach 22 Jahren (!) seine beiden Söhne zu einem Essen. Was soll man da reden? "Ist euch euer Leben entglitten?", versucht es der pensionierte Clown Ernesteau mit wenig väterlicher Sanftmut. Seine auch schon mittelalten Jungs Alberteau und Gottliebeau (der Autor des Stücks lebte neun Jahre in Frankreich) schlugen einst ausgerechnet die Wege eines Hilfsdompteurs sowie eines Seiltänzers ein. Hier beißt ein eisiger Strindbergscher Witz. Das Kammerspiel Ulrich Ziegers beginnt jenseits des Vater-Sohn-Konflikts: Der Phantomschmerz dieser zumindest an den Kostümen von Leichenblässe gestreiften Restfamilie ist die früh verschwundene Mutter, die beim Abendmahl in einer auf sie bezogenen Speisenfolge den Fortgang des Stücks mitvollzieht. Obendrein liegt dann noch eine tote Frau im Bett . . . Stoff und Kunstfertigkeit genug für ein bemerkenswertes, absurdes Konversationsstück, das der 42-jährige aus Sachsen gebürtige Zieger vor einem Jahr schrieb: "Die Erzählung der ganzen Geschichte".

Was also reden? Am besten trinken, meint Alberteau (Georg Schubert). Ein von Clemens Matzka hervorragend gespielter, bisweilen "getänzelter" Gottliebeau saugt die Zigaretten nur so runter.

Gernot Plass ließ für das Zusammentreffen der drei Männer (Vater: Thomas Declaude) eine Fuhre Sand zu einer Familien-Manege aufschütten. Der offensichtlich begabte Regisseur bewegt dort die Figuren wie Kreisel, die dann Schicht für Schicht von sich preisgeben. Bis sich die drei schließlich in einer Sandkiste wieder finden. Dann ist es Zeit für Geschirrfrisbee. Empfehlung! (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2003)

dietheater Künstlerhaus
1010 Wien
Karlsplatz 5
587 05 04
Impro-Version:
Di., 22:30 Uhr
sonst: Di-Sa 20 Uhr
  • Gottliebeau (C.Matzka), Ernesteau (T. Declaude) und Alberteau (G. Schubert)
    foto: u.r. theater

    Gottliebeau (C.Matzka), Ernesteau (T. Declaude) und Alberteau (G. Schubert)

Share if you care.