"Ich will eine Pilgerfahrt machen"

11. Februar 2003, 12:21
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Der neue Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler im Interview zu seinem Jobverständnis und den dringlichsten Aufgaben

Wien - Peter Westenthaler begann am Montag seine zweite berufliche Karriere als zweiter Vorstand der österreichischen Fußball-Bundelsiga. Im Gespräch mit der APA erläuterte er Pläne für eine zentrale Vermarktung, Lobbying und Jugendförderung.


Nach ihrer Bestellung haben Sie die Analyse des IST-Zustandes im österreichischen Fußball zur ersten Aufgabe erklärt. Wie fällt die aus?

Westenthaler: "Sehr erfreulich. Der Fußball boomt, aber jetzt gilt es, die Strukturen der heutigen Zeit anzupassen und Voraussetzungen zu schaffen, dass die Jugendarbeit mit Blick auf 2008 optimal läuft. Der Fußball soll gesellschaftlich aufgewertet werden."

Wie sehen ihre Aufgaben aus?

Westenthaler: "Wir wollen die Liga als Service-Betrieb etablieren, die Marketing-Strategie verbessern. Geplant ist eine zentrale Vermarktung wie bei der Champions League. Und neu ist Lobbying. Das ist wichtig, um die öffentliche Hand für den Fußball stärker zu gewinnen. Es gibt ein Verhältnis von 1:9 zwischen Sport- und Kultur-Förderung, ca. eine Milliarde Schilling für den Sport. Es geht aber nicht darum, Spitzen-Fußball zu fördern, sondern die Rahmen-Bedingungen zu verbessern. In jedem Bundesland soll es eine Fußball-Akademie geben mit einer Drittel-Finanzierung zwischen Bund, Land und Sponsoren.

Durch die Vergabe der EM 2008 an Österreich muss die Aufgabe ja leichter geworden sein?

Westenthaler: "Der Schub ist da. Wenn ein Politiker nichts tut, lässt er Österreich im Stich. Mit diesen Argumenten müssen wir die Politiker konfrontieren. Wir müssen 2008 Erfolg haben.

Hatten Sie schon Kontakt mit zuständigen Politikern?

Westenthaler: "Mit dem Finanzminister habe ich noch nicht gesprochen, wir müssen abwarten, wer Sportminister wird. Aber ich werde auch auf Landesebene aktiv, will eine Pilgerfahrt durch alle Bundesländer machen."

Wie soll die zentrale Vermarktung funktionieren?

Westenthaler: "Es soll eine zentrale Vermarktung mit einem neuen Medien-Mix mit TV, Radio, Print, Banden sein. Es wird Widerstände geben. Auf dem TV-Markt waren die Chancen noch nie so groß wie jetzt. Der ORF ist unser Hauptpartner und wird es auch bleiben, aber er ist nicht mehr alleine auf dem Markt. Premiere bringt vielleicht künftig eine Konferenzschaltung, ab Sommer gibt es mit ATV hoffentlich einen weiteren terrestrischen Sender, der sich für Sport interessiert. Eurosport und DSF muss man für den österreichischen Fußball interessieren."

Glauben Sie, dass Sie die Vereine dafür gewinnen können?

Westenthaler: "Es wird niemand gezwungen. Meine Aufgabe ist es, ein so attraktives Angebot zu machen, das niemand Nein sagen kann. Wenn ich mir die aktuelle Situation der Vereine anschaue glaube ich nicht, dass es nichts besseres gibt."

Ist das Produkt Fußball in Österreich so gut, dass sich auch Eurosport oder DSF dafür interessieren könnten?

Westenthaler: "Im Moment tun wir uns schwer, natürlich brauchen wir Erfolge. Daher finde ich den Weg der Austria richtig. Dadurch erwarte ich eine Qualitätssteigerung. Begeisterung gibt es nur über Erfolge."

Was halten Sie von der Idee von Frank Stronach mit der Jugend-Nationalmannschaft, die bei der Präsidentenkonferenz am Dienstag präsentiert werden soll?

Westenthaler: "Die Grundidee ist völlig richtig. Wir müssen einen Weg suchen, dass die Jungen Spielpraxis bekommen. Ich verstehe nicht, dass man von vornherein sagt, das kommt nicht in Frage. Die Jugendausbildung ist qualitativ gut, quantitativ müssen wir sie verbessern, wie dies mit Akademien oder der Challenge 2008 passiert."

Wie sehen Sie ihre Rolle?

Westenthaler: "Ich möchte Vermittler sein, in der Vergangenheit wurde zu viel gestritten. Wenn man in der Öffentlichkeit streitet, ist das für das Image des Fußballs katastrophal. Aber es hat mit Präsidenten-Konferenzen oder Jour-fixe schon ein Umdenken gegeben."

Sie galten in der Politik als Reibebaum, der keinem Konflikt aus dem Weg geht. Jetzt wollen Sie Vermittler sein?

Westenthaler: "Das ist jetzt eine ganz andere Aufgabe. Ich war sechs Jahre lang Generalsekretär einer Oppositionspartei. Im Fußball ist alles wie eine Firma, wir sitzen alle im selben Schiff. Jeder weiß, dass Peter Westenthaler keinen Konflikt scheut, aber die Aufgabe ist nicht streiten."

Wie werden Sie die Aufgabe angehen?

Westenthaler: "Meine erste Reise führt mich nach Kärnten zum Bundesliga-Auftakt FC Kärnten - Austria Wien am 23. Februar. Ich werde morgen anrufen und Karten bestellen. Ich will nicht im Elfenbeinturm sitzen, sondern in alle Bundesländer reisen um mit den Vereinen zu reden."

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    Peter Westenthaler

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