Noch zu früh für einen weißen Frack

10. Februar 2003, 16:48
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Der Verein "Austrian Gay Professionals" betreibt Lobbying für schwule Unternehmer

Wien - Zum Glück ist Elisabeth Gürtler eine Dame von Welt. Sonst wäre die Opernballorganisatorin wohl explodiert. Schließlich fiel das, was ihr da vorgeschlagen wurde, in die Kategorie "shocking": Sie möge doch ein Zeichen des Anerkennens zeitgemäßer Lebensrealitäten setzen - und bei der Eröffnung des Opernballes gleichgeschlechtliche Paare mittanzen lassen. Frau Gürtler, meint Wolfgang Rainer, sei nur kurz blass geworden - und habe dann abgelehnt. "Dabei wollten wir keineswegs Drag Queens schicken, sondern zwei Männer - einer im weißen, einer im schwarzen Frack."

"Beharrlichkeit"

Im Berufsleben ist Wolfgang Rainer Rechtsanwalt. Nebenbei aber auch noch Präsident: Der 42-jährige Anwalt steht dem Verein Austrian Gay Professionals (AG Pro) vor. Und repräsentiert damit einen Teil der österreichischen Schwulenbewegung, der "nicht durch überdrehtes oder lautes Auftreten, sondern durch Beharrlichkeit" dazu beitragen will, dass homosexuelle Partnerschafts- und Lebensformen rechtlich und gesellschaftlich die Anerkennung erfahren, die ihnen zusteht. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die AG Pro sieht sich nicht als "ruhige" Alternative zu aktionistischen Schwuleninitiativen - sondern als Ergänzung. Und zwar auf Unternehmerseite.

"Exklusives Beitrittsverfahren"

"Wir sind", betont Rainer, "nicht einfach ein Klub schwuler Selbstständiger. Da würde es reichen, alle schwulen Wirte anzumailen, um viele Mitgliedern zu bekommen." Die AG Pro setzt aber auf ein exklusives - an Logen und Klubs erinnerndes - Rekrutierungs- und Beitrittsverfahren: Nur wer dem Verein durch Kontakte oder Know-how hilfreich sein kann, hat eine Chance auf Aufnahme. Mitgliederlisten werden nicht veröffentlicht - obwohl eine offen schwule Lebensweise Aufnahmebedingung ist.

Gegründet wurde der Verein vor mittlerweile fünf Jahren. Er hat sich neben Lobbying auch die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Gleichstellung auf die Fahnen geschrieben: Geplant wird derzeit etwa ein Preis für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern (und Kunden) ungeachtet sexueller Orientierung gleiche Rechte einräumen.

"Wir sind geduldig"

Der Opernball, so Rainer, habe sich da heuer disqualifiziert. Aber "wir sind geduldig. Und werden nächstes Jahr wieder höflich nachfragen." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Printausgabe 11.2.2003)

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sich nicht als "ruhige" Alternative zu aktionistischen
Schwuleninitiativen - sondern als Ergänzung. Und zwar
auf Unternehmerseite.
    foto: photodisc

    Die AG Pro sieht sich nicht als "ruhige" Alternative zu aktionistischen Schwuleninitiativen - sondern als Ergänzung. Und zwar auf Unternehmerseite.

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