Chabrol: "Ich bin der Breshnew des französischen Kinos"

10. Februar 2003, 16:21
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Denn der Regie-Altmeister beteiligt möglichst viele Familienmitglieder an seinen Projekten

Berlin - Frankreichs Regie-Altmeister Claude Chabrol liebt es, möglichst viele Familienmitglieder an seinen Projekten zu beteiligen. Bei seinem neuen, im Berlinale-Wettbewerb gezeigten Thriller "La fleur du mal" (Die Blume des Bösen) arbeiteten seine Frau, zwei Söhne, eine Tochter und andere Verwandte mit. Darauf angesprochen, verriet Chabrol: "In Frankreich nennt man mich deshalb schon den Breshnew des französischen Kinos."

"Das Bürgertum ist nun mal die lächerlichste Schicht unserer Gesellschaft"

Auch mit seinem neuen Film bleibt Chabrol seinem jahrzehntelangen Lieblingsthema treu, der Bigotterie angeblich braver Bürger. "Das Bürgertum ist nun mal die lächerlichste und interessanteste Schicht in unserer Gesellschaft", sagte er dazu, als er seinen Film am Montag in Berlin vorstellte. Er ergänzte: "Einzige Aufgabe des Bürgertums ist es heute, sich selbst am Leben zu erhalten. Daraus ergeben sich spannende und paradoxe Geschichten für viele, viele Filme. Also bleibe ich dem Thema treu."

"Beziehungsgeflecht Mensch, Gesellschaft und Moral"

Dieses Thema fasst Chabrol sehr weit, wie er erklärte: "Es geht um das Beziehungsgeflecht Mensch, Gesellschaft und Moral. Das ist kompliziert und aufregend und oft sehr schmutzig." Diesen Schmutz deckt Chabrol in seinem klassischen Familien-Krimi mit bösem Witz auf. Der ist ihm besonders wichtig, betonte er: "Inzest, Vatermord, Verleumdung - über so etwas muss man mit Humor erzählen, damit das Publikum seinen Spaß hat." Diesen hatten die Zuschauer der 53. Berlinale offenbar und nahmen den Film mit viel Beifall auf. (APA/dpa)

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    Claude Chabrol bei einer Pressekonferenz der Berlinale

  • Szenenfoto "La fleur du mal"
    foto: berlinale

    Szenenfoto "La fleur du mal"

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