Großbritannien setzt erneut auf Atomenergie

10. Februar 2003, 15:42
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Umweltorganisationen kritisieren mangelndes Engagement

London - Die Royal Society, die britische Akademie der Wissenschaft, rät der Regierung in London, erneut auf Nuklear-Energie zurückzugreifen. In einem Plan, der sich mit der Energieversorgung der Insel beschäftigt, raten die Forscher zu diesem Schritt, berichtet die Zeitung Independent. Umweltexperten werfen der Royal Society vor, keinen Willen für die Forcierung alternative Energien zu zeigen.

Das Energy White Paper, das im Laufe dieses Jahres präsentiert wird, beschäftigt sich mit der Frage, wie es mit der Energieversorgung des Vereinigten Königsreichs in den kommenden Jahrzehnten aussieht. Zur Zeit decken die sechzehn Kernkraftwerke rund 25 Prozent des Energiebedarfs des Inselreichs ab. Spätestens in dreißig Jahren werden die meisten der Atomanlagen aber völlig veraltet seien, einige werden schon 2020 den Betrieb einstellen müssen.

Fossile Brennstoffe ersetzen

Dann stellt sich die Frage, wie Energie in Großbritannien am umweltfreundlichsten zu erzeugen ist. Sehr einfallsreich gestaltet sich das Ergebnis der Wissenschaftsschmiede aber nicht: "Wenn wir die Treibhausgase nicht noch steigern wollen, gibt es nur Kernenergie", so argumentieren die britischen Wissenschaftler, die schon lange für die Errichtung weiterer Kernkraftwerke eintreten. Die Forscher werfen der Regierung in dem Bericht vor, dass sie die Thematik verschleppen und wohl erst nach der Wahl über die Energiezukunft entscheiden wollen. Eines stellten die Wissenschaftler der Royal Society aber jetzt schon fest: Wenn das Kyoto-Ziel mit einer deutlichen Senkung des CO2-Ausstosses erreicht werden soll, müssen die fossilen Brennstoffe ersetzt werden.

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft der Regierung vor, dass die Energiegewinnung mit erneuerbaren Energien kein Problem darstelle, wenn der Wille dafür vorhanden sei. "An den Ressourcen dafür fehlt es jedenfalls nicht. Davon gibt es auch in Großbritannien genug", so Steven Tindale, Direktor von Greenpeace-UK. Die Regierung müsse nur die Ambitionen haben in diese Energiequellen mehr zu investieren. Für die Wissenschaftler der Royal Society sei die Erreichung eines zehn-Prozent-Anteiles an erneuerbaren Energien bis 2010 bereits ein "ambitioniertes Ziel". (pte)

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