"World Cultural" statt "World Trade"

10. Februar 2003, 16:06
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Ground Zero-Projekt-Finalist Schwartz von "Think" über seine Pläne für den prestigeträchtigsten Bauplatz der Welt

New York - "Es ist ein großer Moment für die Architektur, ein Neubeginn und eine Zeit der Veränderungen", betont Architekt Frederic Schwartz die Bedeutung der Wiederbebauung des New Yorker "Ground Zero". Schwartz ist einer der Architekten der Gruppe "Think", deren Entwurf zum "World Cultural Center" neben Daniel Libeskinds "Gardens of the World" ins Finale für den derzeit wohl prestigeträchtigsten Bauplatz der Welt gekommen ist.

Stellt bereits in der ersten Bauphase die Skyline wieder her

Das "Think"-Team (neben Schwartz noch Shigeru Ban, Ken Smith und Rafael Vinoly) war in der Ausschreibung mit insgesamt drei Projekten vertreten: Neben dem "World Cultural Center" hatte es auch einen Entwurf zur "Great Hall" und einen zum "Sky Park" eingereicht. Auf die Frage hinauf, warum wohl gerade das "World Cultural Center" gewählt wurde, meint Frederic Schwartz: "Von allen Projekten ist es das einzige, das bereits in der ersten Phase die Skyline von Manhattan wieder herstellt."

Das World Cultural Center soll aus zwei Gitterstrukturen bestehen, die als Türme in den Himmel ragen werden. Innerhalb dieser Strukturen soll sich kulturelle und pädagogische Nutzflächen sowie Denkmäler befinden. "Wir haben in den weiteren Phasen auch Büroräume vorgesehen, jedoch in den sieben angrenzenden Gebäuden, die von den verschiedensten Architekten - vielleicht sogar von einem unserer derzeitigen Mitbewerber - entworfen werden sollen." Der Bereich sollte natürlich anwachsen, nicht von dem Abdruck eines einzigen Architekten dominiert sein. "Im Mittelpunkt soll ab nun nicht mehr der Handel, sondern die Kultur stehen, daher das World Cultural Center."

Globales Bauanliegen

Es sei "wichtig, dass das höchste Gebäude der Welt wieder in New York steht. Im Moment fehlt hier etwas, und zwar fehlt das nicht nur der hiesigen Gemeinschaft etwas, sondern das fehlt auch regional und global." Die Wiederbebauung von "Ground Zero" sei daher sowohl eine lokale als auch eine globale Sache. "Unser Entwurf wäre aber einer der ersten Türme der Welt, der nicht von Büroräumen sondern von der Öffentlichkeit bezogen wird".

Als ausschlaggebend sieht Schwartz in dem Ausscheidungsverfahren die Einbeziehung der Öffentlichkeit und der Presse. "In New York hat es ja jahrelang keine Architektur gegeben, da ist es wichtig, dass Journalisten wie Herbert Muschamp dazu beitragen, zu erklären, was Architektur sein kann. Das ist ja eine journalistische Arbeit, die sonst nur in Europa getan wird." Damit reagiere er aber nicht auf das Lob, das Muschamp in der "New York Times" dem "Think"-Projekt spendete, meint Schwartz: "So habe ich schon zuvor über ihn gedacht. Es ist einfach wichtig, dass die Öffentlichkeit versteht, um was es geht."

Agieren mit Verständnis für das Gelände

Schwartz wohnt und arbeitet seit über zwanzig Jahren in Lower Manhattan. "Ich agiere mit einem Verständnis des Geländes." Er betont aber, dass er und seine Kollegen, die ebenfalls in Manhattan ansässig sind, auch Internationalität in das Projekt einbringen. Rafael Vinolys Firma hat ein Standbein in Buenos Aires und Shigeru Ban ist gebürtiger Japaner.

Die Finanzierung des Projekts macht ihm keine Sorgen. "Es ist einiges öffentliches Geld verfügbar. Weiters haben wir im Think-Team Leute, die bereits an kreativen Finanzierungsmodellen arbeiten." Mit Spannung sieht er nun der Wahl zwischen den beiden Finalisten im Wettbewerb am Ende des Monats entgegen. Als nächsten Schritt sieht Schwartz die genaue Bestimmung der Ausschreibung für das Denkmal, das im Zentrum des gewählten Plans stehen wird. Der Bau des "World Cultural Center", so schätzt er, würde etwa zwei Jahre dauern. (APA)

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