Italienisches Schulden-Dekret im EU-Visier

10. Februar 2003, 14:39
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Rettungsmaßnahme für Fußballvereine unter Verdacht der Wettbewerbsverzerrung

Rom - Die EU-Kommission will eine Ermittlung gegen ein Dekret der italienischen Abgeordnetenkammer zur Rettung der finanziell angeschlagenen Fußballklubs aufnehmen. Das vergangene Woche verabschiedete Dekret, das noch vom Senat gebilligt werden muss, sieht auf zehn Jahre verteilte Steuerentlastungen für verschuldete Vereine vor. Wie EU-Kommissar Mario Monti am Montag in Rom erklärte, besteht fundierter Verdacht, dass die Steuerentlastungen als wettbewerbsverzerrende Staatshilfen eingestuft werden könnten.

"Wir wissen, dass das römische Parlament Sport und Kultur besondere Aufmerksamkeit widmet. Da jedoch mit Sport große Geschäfte verbunden sind, müssen wir überprüfen, ob das Dekret auf europäischer Ebene nicht wettbewerbsverzerrend wirkt", sagte Monti im Gespräch mit Journalisten.

Bilanz, Lizenz

Dem Dekret zufolge können Vereine, die in den vergangenen Jahren für Rekordsummen Starspielern gekauft hatten (deren Wert wegen der Krise im italienischen Fußball stark zurückgegangen ist), die aufgehäuften Schulden in ihren Bilanzen auf ein Jahrzehnt verteilen. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass viele Erstligisten die Lizenzauflagen nicht erfüllen können.

Die Maßnahme wurde von Verbandspräsident Franco Carraro begrüßt. Kritisch zeigten sich dagegen die Parlamentarier der oppositionellen Mitte-Links-Allianz. Sie sprachen von einem "skandalösen Geschenk" des italienischen Regierungschefs und Präsident von AC Milan Silvio Berlusconi.

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