Albaner mobilisieren gegen "serbische Repression"

11. Februar 2003, 14:41
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Situation in Südserbien spitzt sich zu - Internationale Gemeinde befürchtet "Domino-Effekt"

Wien - Die Situation in Südserbien spitzt sich wieder zu. Neben der "tickenden Bombe" Kosovo und dem brüchigen Frieden in Mazedonien ist vor allem die Situation im mehrheitlich von Albanern bewohnten Süden Serbiens erneut sehr angespannt. Die extremistische "Albanische Nationale Armee" (Armate Kombetare Shqiptare/AKSh) hat laut eigenen Angaben mit der Mobilisierung ihrer Einheiten begonnen, um die Albaner in diesem Gebiet vor der "serbischen Repression" zu schützen. Das Problem der nicht gelösten albanischen nationalen Frage kommt wieder ans Tageslicht.

Die erste Reaktion Belgrads auf die Ankündigung der AKSh kommt vom gemäßigten serbischen Vizeministerpräsident Nebojsa Covic: Er sei nicht besorgt, denn die serbischen Sicherheitskräfte hätten genügend Erfahrung, um terroristische Aktionen nicht zuzulassen. Vergangenen Woche wurde ein albanischer Angehöriger der Sicherheits- und Informationsagentur (BIS; früherer serbischer Staatssicherheitsdienst) in Bujanovac ermordet. Belgrader Sicherheitskräfte nahmen danach in den südserbischen Kommunen Bujanovac und Presevo zwölf Albaner wegen illegalen Waffenbesitzes fest. Fünf wurden wenig später nach Straßenprotesten wieder freigelassen.

Tief verwurzeltes Misstrauen

Das ethnische Misstrauen zwischen Serben und Albanern in diesem Gebiet, das auch leicht in Hass ausarten kann, ist tief verwurzelt. Im Frühjahr 2001 lieferten sich albanische Extremisten heftige Kämpfe mit serbischen Sicherheitskräften. Nach diesem Konflikt entwickelte Covic ein "Modell Südserbien", das die vollständige Integration der Albaner und und ein besseres Zusammenleben zwischen den beiden Ethnien um Ziel hat. In der Folge wurde dieses Modell von einigen internationalen Akteuren und Institutionen gelobt. Anscheinend ist die ethnische Intoleranz aber so sehr ausgeprägt, dass schon ein kleiner Funken einen Brand auslösen kann.

Der erstmals Ende 2001 abgehaltene "Albanische Weltkongress" hatte die Forderung klar formuliert: "Vereinigung aller Albaner" im Südosten Europas. Etwa 15 Millionen Albaner leben derzeit in Albanien, in der unter UNO-Verwaltung stehenden serbischen Provinz Kosovo, in Südserbien, Mazedonien und Montenegro. Einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit des Kosovo wollten unmittelbar nach der Umwandlung Jugoslawiens in den Staatenbund Serbien und Montenegro etwa 40 albanische Abgeordnete setzen. Eine von ihnen im Kosovo-Parlament geforderte Unabhängigkeitserklärung ist vergangenen Woche zunächst nicht erfolgt. Unter anderem wohl auch deswegen, weil sich führende albanische Politiker keinen Konflikt mit der Internationalen Gemeinschaft leisten wollen.

Die ungelöste nationale Frage der Albaner bleibt für den Balkan und damit für Europa jedenfalls höchst kritisch. Ein "Großalbanien" würde wohl kaum zu einer dauerhaften Lösung beitragen. Dann wäre zwar die albanische Frage einer Lösung näher, doch andere, allen voran die serbische und kroatische (in Bosnien-Herzegowina), würden mit aller Vehemenz aufgeworfen werden. Im Gegenteil: Eine Sezession des Kosovo oder gar der Zusammenschluss albanisch besiedelter Gebiete in Südosteuropa könnte einen fatalen "Domino-Effekt" auslösen. Vielleicht ist dies - neben den diametral entgegen gesetzten Positionen Pristinas und Belgrads - ein Mitgrund, warum die internationale Gemeinschaft dem Kosovo-Dilemma etwas hilflos gegenüber steht und derzeit keine Strategien zur endgültigen Lösung anbieten kann. (APA)

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