Konsequent an die Spitze vorgearbeitet

10. Februar 2003, 11:32
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Kopf des Tages: Eva Glawischnig hat sich endgültig als künftige Grüne Parteichefin etabliert

Jung, fesch und gescheit - diese Kombination lässt vor allem ältere Herren bisweilen die Contenance verlieren. Als "wunderschön, aber leider Marxistin" bezeichnet Andreas Khol die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. Zumindest für den zweiten Teil seines Urteils blieb der gestandene Charmeur den Beweis schuldig. Zwar hatte Glawischnig im Wahlkampf die ÖVP härter gekontert, als es diese erwartet hätte, aber allein aus der Rechtsextremismus-Nähe, die sie ihrem potenziellen Regierungspartner damals unterstellte, kann selbst ein Khol keinen Marxismus-Verdacht ableiten - aus der Biografie der 1969 in Villach geborenen und in Seeboden am Millstätter See aufgewachsenen Kärntnerin geht das noch weniger. Glawischnigs Eltern betrieben einen Bauernhof samt Gasthaus, der Umgangston war eher rechts-als linksgerichtet. Ihr "Glaubensbekenntnis", das sie bei Gelegenheit für ein Nachrichtenmagazin formulierte, könnte gut in einem jener Grundsatzprogramme stehen, die in der ÖVP noch geschrieben und gelesen wurden, ehe Khol das rechte Maß für seinen Verfassungsbogen nahm: "Ich glaube an die Notwendigkeit von Solidarität als Basis für das menschliche Zusammenleben, an die Notwendigkeit des kritischen, aufgeklärten Geistes, der alles hinterfragt und in ständiger Reflexion und deutlicher Abgrenzung zu Fundamentalismus und Extremismus die Demokratie weiterentwickelt."

Nach der Mittelschule in Spittal studierte Glawischnig Jus in Graz und schloss das Studium 1993 mit dem Magisterium ab. 1999 erwarb sie den Doktortitel, wobei ihre Dissertation bereits die berufliche Richtung wies: Sie beschäftigte sich mit dem Problem grenznaher Atomkraftwerke.

Die Erkenntnisse daraus setzte sie gleich im ersten Job um, als sie für die Umweltschutzorganisation Global 2000 eine Klage gegen das AKW Mohovce einbrachte. Als Mitbegründerin der Grazer Global-Fraktion führte sie diese im Kampf gegen den Bau der Ennstaltrasse ins Feld, was nicht ihre einzige Erfahrung im Basisaktionismus bleiben sollte. Von 1996 bis 1999 Umweltsprecherin der Wiener Grünen, wechselte Glawischnig 1999 als jüngste Abgeordnete in den Nationalrat, wo sie sich rasch als ebenso beschlagene wie scharfzüngige Rednerin einen Namen machte.

In den letzten Wochen hat sich Glawischnig nicht nur als erste Nummer zwei der Grünen profiliert, sondern sich auch endgültig als logische Nachfolgerin von Parteichef Alexander Van der Bellen etabliert. Privat liebt es Glawischnig sportlich und musikalisch: im Sommer Bergsteigen, im Winter Snowboarden, und ihren Lebensgefährten hat sie vor acht Jahren in einer Band kennen gelernt, wo er das Schlagzeug und sie das Keyboard bediente. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 10.2.2003)

von Samo Kobenter
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    Eva Glawischnig
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