Ausgerechnet im "Jahr des Wassers"

10. Februar 2003, 11:23
posten

Österreich droht EU-Klage wegen Wasserverschmutzung

Wien - "Österreich droht im 'Jahr des Wassers' ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Wasserverschmutzung, da die EU-Nitrat-Richtlinie nur mangelhaft umgesetzt wurde", kritisierte Katrin Sedy, Wasserexpertin von Global 2000, am Montag. Der neue Gewässerschutzbericht des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums zeige die "verheerende Säumigkeit von Minister Wilhelm Molterer" (V), hieß es.

Stark belastetes Grundwasser

Ziel der EU-Richtlinie ist es, vor allem durch strengere Kontrollen bei der Verwendung von Nitratdüngern in der Landwirtschaft hohe Nitratwerte im Trinkwasser zu vermeiden. "Die Sanierung der Nitratbelastung im Grundwasser ist gescheitert", beurteilte Sedy den seit Jahren bemängelten Zustand des Grundwassers in Österreich. "Im Raum Wien hat sich die Lage sogar weiter verschlechtert, hier sind 60,1 Prozent der Messwerte über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter." Das Grundwasser im Burgenland sei mit 21,4 Prozent und in Niederösterreich mit 20,1 Prozent sehr stark belastet. Insgesamt lägen zwölf Prozent der Österreich weit gemessenen Wasserproben über dem ohnedies hohen gesetzlichen Grenzwert von 50 mg/l, so Global 2000.

Interessenskonflikt

Die Umweltorganisation ortet im Versagen bei der Nitratproblematik einen politischen Interessenskonflikt, da Landwirtschaftsinteressen und Umweltschutz in Österreich durch ein und denselben Minister vertreten werden. "Minister Molterers Doppelfunktion geht auf Kosten des Umweltschutzes", kritisierte Sedy. "Zwei Drittel der Nitratbelastung stammen aus intensiver landwirtschaftlicher Bodennutzung. Molterer müsste sich aber als Umweltminister für strengere Maßnahmen und mehr wirksame Kontrollen einsetzen. Düngemittel müssen endlich an den Pflanzenbedarf und an die Aufnahmekapazität des Bodens angepasst werden, um eine Ausschwemmung in das Grundwasser zu verhindern."

Doppelte Gesundheitsgefährdung

Auch die alarmierende Pestizidbelastung des Grundwassers komme durch den Gewässerschutzbericht ans Licht, so Gloabl 2000. Atrazin, ein bereits seit 1994 verbotenes Unkrautvernichtungsmittel, werde in 21,7 Prozent der untersuchten Wasserproben nachgewiesen. Die Belastungsgebiete lägen hauptsächlich in Nieder- und Oberösterreich, in Regionen, die auch unter Nitratbelastung litten. Die Bewohner dieser Regionen seien somit einer doppelten Gesundheitsgefährdung ausgesetzt. "Wir fordern die umgehende Umsetzung der Nitrat-Richtlinie in Österreich", urgierte Sedy. "Außerdem bedarf es einer Klärung des Sachverhalts, wie es trotz Atrazinverbot zu dermaßen hohen Belastungen kommen kann." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Messwerte liegen über dem gesetzlichen Grenzwert.

Share if you care.