Nächster Mega-Deal

10. Februar 2003, 18:30
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Öl- und Gasriese mit größtem Zukauf seiner Geschichte - 313 Tankstellen und Anteil an Bayernoil-Raffinieren von BP für 377 Millionen Euro erworben

Wien - Der Generaldirektor der OMV, Wolfgang Ruttenstorfer, und sein Stellvertreter Gerhard Roiss gaben am Montag die größte Akquisition in der Geschichte des Unternehmens bekannt: Für 377 Mio. Euro erwirbt der größte Industriekonzern Österreichs von BP 313 Tankstellen in Süddeutschland, Ungarn und der Slowakei, einen Anteil von 45 Prozent an der Bayernoil Raffinerie GmbH und weitere 18 Prozent an der Transalpine-Pipeline TAL, an der sie damit 25 Prozent hält. Davon entfallen 220 Mio. Euro auf das Tankstellennetz, 142 Mio. Euro auf die Raffinerie und 15 Mio. Euro auf die TAL.

Fremdfinanziert

Der Kaufpreis soll ebenso fremdfinanziert werden wie die rund 150 Mio. Euro, die zusätzlich für das Umlaufvermögen aufzubringen sind, sagte Ruttenstorfer. Die daraus resultierende Verschlechterung der Gearing-Ratio (Verschuldungsgrad) von 30 auf über 50 Prozent des Eigenkapitals soll bereits bis Ende 2004 durch Verkäufe von nicht betriebsnotwendigen Aktiva wieder reduziert und langfristig auf den bisherigen Wert zurückgeführt werden. Den Kaufpreis bezeichnete Ruttenstorfer als kompetitiv. Die Akquisition werde bereits heuer zu einer Steigerung des Gewinns je Aktien, den er auf 12 bis 14 Euro bezifferte, um 20 Cent und im kommenden Jahr um einen Euro führen.

Mit der Akquisition ist die OMV ihrem Ziel, den Marktanteil im Donauraum, einer Region mit 100 Mio. Einwohnern, bis 2008 auf 20 Prozent auszubauen, einen Schritt näher gekommen, sagte Ruttenstorfer. Der Marktanteil werde damit von neun auf zwölf Prozent ansteigen. Ein weiteres Ziel, die Verdoppelung der Öl-und Gasförderung auf 160.000 Fass pro Tag, sei ebenfalls in Reichweite. Mit dem Erwerb der TUI-Tochter Preussag Energie vor knapp drei Wochen werde die Förderung im nächsten Jahr bereits 120.000 Fass erreichen.

Führendes Öl- und Gasunternehmen im Donauraum

Bereits jetzt sei die OMV das führende internationale Öl-und Erdgasunternehmen im Donauraum, erklärte Roiss. Sie verfüge einschließlich der Zukäufe über 1615 Tankstellen und eine Raffineriekapazität von 18,4 Mio. Tonnen. Das Tankstellennetz sei durch die jüngste Akquisition um 25 Prozent, die Raffineriekapazität um 40 Prozent gewachsen. Die erworbenen Tankstellen (BP und Aral in Deutschland, ausschließlich Aral in Ungarn und der Slowakei) müssten innerhalb von zwölf Monaten auf OMV umgerüstet werden. Mit einem Absatz von 14,3 Mio. Tonnen Ölprodukten in diesem Raum liege die Marktdeckung bei 17 Prozent.

Roiss wies darauf hin, dass die OMV mit den Zukäufen ihre Nummer-zwei-Position in Ungarn und der Slowakei abgesichert hat. In Ungarn werde der Marktanteil von elf auf 16 Prozent, in der Slowakei von 13 auf 15 Prozent steigen. Außerdem werde damit eine zusätzliche Auslastung für die Raffinerie Schwechat geschaffen.

Neun Prozent Marktanteil in Bayern

In Bayern erreiche die OMV in Zukunft einen Marktanteil von neun Prozent und rücke damit an die vierte Stelle (hinter BP/Aral, Shell-Dea und Esso) vor. Außerdem sei die Präsenz in den angrenzenden Bundesländern Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg ausgebaut worden. Von den 247 erworbenen Tankstellen in Süddeutschland entfallen 118 auf Bayern, 71 auf Baden-Württemberg, 30 auf Sachsen und 28 auf Thüringen.

Mit dem Erwerb von 45 Prozent an Bayernoil ist die OMV größter Einzelaktionär dieses süddeutschen Raffinerienetzwerkes. 25 Prozent hält die Ruhröl, 20 Prozent Agip und zehn Prozent BP. Ihre eigene Verarbeitungskapazität in Bayern steigt um 5,4 Mio. Tonnen auf 8,8 Mio. Tonnen. Die schon bisher in OMV-Besitz befindliche Raffinerie Burghausen werde wirtschaftlich, aber nicht gesellschaftsrechtlich in den Bayernoil-Komplex integriert. "Bei einem Mineralölmarkt von 18,8 Mio. Tonnen (gegen elf Mio. Tonnen in Österreich) ist die OMV der wichtigste Versorger in Bayern", betonte Roiss. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 11.2.2003)

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OMV

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    Die OMV vergrößert ihr Tankstellennetz in Zentral- und Osteuropa in Riesenschritten.

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