Klare Ansage setzt sich durch

5. August 2008, 14:23
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Martina Schönherr, Kunststudentin und begeisterte Fußballerin, überzeugte beim Plakatwettbewerb Homo : Foul - Die besten Sujets werden nun im Museumsquartier gezeigt

Die Aufwärmphase ist vorbei, das GewinnerInnentrio von "Homo : Foul", dem Plakatwettbewerb, zu dem "Qwien", der Verein für ein Queeres Wien um Hannes Sulzenbacher und Andreas Brunner, aufgerufen hat, steht seit Dienstag fest. Anlässlich der EURO 08 wollte man den fußball-immanenten Problemstellungen Sexismus und vor allem Homophobie, der "Mannshuberei" und der heterosexuellen Aufladung, mit künstlerischen Antworten begegnen. Und eine überzeugte die prominente Jury um Una Wiener, Jimmy Sommerville und Tanja Walther schnell: Die von Martina Schönherr.

Eine passendere Siegerin hätte man sich kaum aussuchen können, selbst wenn das Voting nicht anonymisiert von statten gegangen wäre. Eine Frau, eine Fußballsaffine, die nicht nur gerne zusieht sondern selber - seit einem Jahr auch im Zweitliga-Frauenfußballverein FC Paulana Wien - kickt. Und eine Österreicherin. Ein tröstlicher Umstand, denn bei der EM selbst wird Österreich kein Leiberl haben.

Auf Schönherrs Sujet zu sehen: Ein Torso, halb im Bild, im roten Trikot, mit Ball unterm Arm, die Kapitänsschleife stolz über den Muskeln gespannt. Aber da steht weder "Captain" noch ist ein Vereinsabzeichen zu sehen. Da steht einfach "Gay". Die grafische Verarbeitung überzeugte ebenso wie die Klarheit der Aussage. Die 25-Jährige kann sich nun über ein Preisgeld von 2.008 Euro freuen und wenn der Europameister Kroatien heißen sollte, auch darüber. Ist schließlich ihr Favorit des Herzens und Geheimtipp, obwohl sie dann doch eher glaubt, dass die Italiener das Spiel machen werden, weil sie "einfach abgebrüht" sind.

Als Vorbereitung hat sie sich in die Thematik Fußball und Homophobie eingelesen und dessen Marginalisierung festgestellt. Wenn man aber davon ausgeht, dass um die fünf Prozent der Bevölkerung homosexuell ist, dann müsste in jeder Mannschaft einer dabei sein, der schwul ist. Welcher denn? Deswegen nur der Ausschnitt ohne Gesicht: Es könnte jeder sein. "Sie spielen alle das selbe Spiel, sie spielen es alle gut:" Fußball sei aufgrund der Massenkompatibilität ein ideales Feld, die Problematik zu thematisieren, meint die Gewinnerin. Und auch, dass es sehr wohl Mädchen gibt, die gut Fußball spielen.

Platz zwei ging an "Kick Homphobia Out" von ... aus Polen - ein heiß diskutierter zweiter Sieger - für Sommerville war's sogar der erste - da das Sujet von manchen durchaus als zu düster empfunden wurde. "Aber was kann man angesichts der politischen Lage in Polen denn anderes erwarten", kommentiert Sulzenbacher.

Nach Österreich kamen die meisten Einreichungen aus Polen. Auch die USA, skandinavische Länder, Bulgarien und Spanien, Großbritannien waren vertreten - gar aus Indien kam eine, nur leider zu spät. Aus Afrika trudelte leider keine ein.

Platz drei ging an von ... aus ..., die durch den spielerischen Umgang mit dem Genderthema und der Doppelbödigkeit von Bildaussage und Schriftzug punkten konnte.

Von den vielen Einreichungen, die mit Rasengrün/rasengrüner Farbe arbeiteten, konnte sich hingegen keine einzige durchsetzen.

Ausstellung und Online-Voting

32 Plakate bilden nun die Ausstellung, die ab heute Abend in der Kunsthalle zu sehen sein werden.

Die besten Plakate gegen Homophobie werden ab heute Abend im Museumsquartier zu sehen sein und noch diese Woche auch bei dieStandard.at präsentiert. Voten auch Sie für Ihre persönlichen FavoritInnen mit! (bto/dieStandard.at, 4.6.2008)

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die zwar beide nicht am Jury-Meeting im Sitzungssaal der Kunsthalle am Montag Abend anwesend waren, doch online ihre Stimmen verteilten.

Die Entscheidung ging "ratzfatz": SiegerInnentrio schnell klar.

Besondere Freude, dass sich ein Beitrag aus Österreich durchsetzen konnte, und nein, es war kein patriotisches Voting, da es anonymisiert von statten ging und zudem nicht nur ÖsterreicherInnen in der Jury saßen.

Schönherr spielt selbst Fußball seit sie ein Mädchen war, erst mit anderen Buben, seit einem Jahr sogar in einem Frauenfußballverein. Die 25-Jährige studiert an der Angewandten digitale Kunst.

Affinität zum Thema: Liebe zum Spiel. Sieht auch gern zu. Es gibt sehr wohl Mädchen, die gut Fußball spielen. FC Paulana Wien. Wiener Landesliga. Training zwei Mal die Woche. Sonntag dann Bewerbe. Ball gehabt, einfach gespielt, während die übrigen Mädchen in der Puppenecke beschäftigt waren.

 

Ausstellung

"Homo:Foul. Die besten Plakate zu Homosexualität und Fußball" von QWIEN Kultur wird mit Unterstützung der Kunsthalle Wien von 5. Juni bis 13. Juli ganztägig im Museumsquartier gezeigt (Portikus der Winterreithalle, Haupthof).

Links

Qwien

derStandard.at/Sport: EURO 2008

Nachlesen

"Im Fußball hat Homophobie freies Fahrwasser" -

Als Frau diskriminiert, als Lesbe kein Geschlecht - Ex-Fußballprofi und Homo : Foul-Jurymitglied Tanja Walther im Interview

 

 

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    foto: logo homo : foul
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