Frankreich will Anstiftung zur Magersucht unter Strafe stellen

16. April 2008, 11:08
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Gesetzesentwurf sieht bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 45.000 Euro vor - Strafbestand soll auch für Internetseiten gelten

Paris - Frankreich will strafrechtlich gegen Personen vorgehen, die zur Magersucht anstiften. Die Nationalversammlung billigte am Dienstag in erster Lesung einen Gesetzentwurf der konservativen Regierungsmehrheit, der dafür bis zu zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 30.000 Euro vorsieht.

Rigorose Strafen

Demnach macht sich strafbar, wer "einen Menschen dazu bringt, eine exzessive Magerkeit" anzustreben, indem die Opfer zu einer gesundheits- oder gar lebensgefährdenden Beschränkung der Nahrungsaufnahme angestiftet werden. Bei dadurch verursachten Todesfällen steigt die Strafe bis auf drei Jahre Haft und 45.000 Euro Strafe.

Kritik: Ursachen würden nicht angegangen

Der Straftatbestand soll auch für Internetseiten gelten, die Magersucht verherrlichen und in den vergangenen Jahren starke Verbreitung gefunden haben. Auch hier droht den BetreiberInnen bis zu zwei Jahren Haft. Die oppositionellen Sozialisten sowie Kommunisten und Grüne enthielten sich bei der Abstimmung über den Gesetzentwurf, der aus ihrer Sicht "allein auf Bestrafung setzt" und das eigentliche Problem der Magersucht nicht angeht.

In Frankreich sind nach Regierungsschätzungen 30.000 bis 40.000 Menschen magersüchtig. 90 Prozent von ihnen sind Frauen und Mädchen, wobei die höchsten Zahlen im Alter von zwölf bis dreizehn Jahren und zwischen 18 und 19 Jahren verzeichnet werden. (APA/AFP)

  • Sowohl Personen als auch Websites sollen bestraft werden können.
    stephen chernin
    Sowohl Personen als auch Websites sollen bestraft werden können.
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