Offener Brief: Sprachlicher Rückzug in die Mottenkiste?

11. April 2008, 14:47
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Frauenring kritisiert Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs, die Stelle des/der PräsidentIn nicht geschlechtsneutral ausgeschrieben zu haben

Wien - Im Fall der nicht geschlechtsneutral formulierten Ausschreibung zum/zur VerfassungsgerichtshofpräsidentIn (dieStandard.at berichtete) meldet sich nun der Österreichische Frauenring zu Wort. Der größte Dachverband österreichischer Frauenvereine kommentiert in einer Aussendung die Vorgänge um die Ausschreibung mit folgenden Worten:

"Während in der Privatwirtschaft klar geregelt ist, dass Stellenausschreibungen in weiblicher und männlicher Form angefasst - abgefasst werden müssen, ist es bei der Besetzung des Präsidenten/der Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes möglich, sich auf Grund der noch immer bestehenden rein männlichen Formulierung der Funktion im Verfassungsgerichtshofgesetz auf eine Ausschreibung in rein männlicher Form zu beschränken.

Obwohl auch diese Funktion geschlechtsspezifisch symmetrisch, also in weiblicher und männlicher Form, ausgeschrieben werden könnte, zieht man(n) sich lieber auf den Wortlaut des Gesetzes zurück. Da Juristen offenbar immer noch Gesetze brauchen, um den Herrschaftsanspruch der männlichen Sprachform, in der Frauen bestenfalls mitgemeint sind, zu durchbrechen, fordert der der Österreichische Frauenring gemeinsam mit dem Verein österreichischer Juristinnen dringend eine Änderung zumindest des Verfassungsgerichtshofgesetzes aber auch des Bundes-Verfassungsgesetzes selbst. Die sprachliche Gleichbehandlung in der Verfassung wurde von Frauenorganisationen auch in den letzten Debatten zur Verfassungsreform wiederholt gefordert.

Erst die diskriminierungsfreie Sprache führt zu Chancengleichheit und zur Gleichstellung der Geschlechter - und trägt bei, dass die höchsten Ämter der Republik mit den bestqualifizierten Frauen und Männern besetzt sind!" (red)

 

 

 

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