30 Jahre Frauenhäuser in Wien: Der lange Weg aus der Gewalt

9. April 2008, 17:58
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In den vergangenen drei Jahrzehnten suchten 11.000 Frauen Zuflucht - Anlässlich des Jubiläums wurde Ausbau des Angebots angekündigt

Wien – Als das erste Frauenhaus in Österreich auf Initiative von einigen Sozialarbeiterinnen und –arbeitern in Wien aufsperrte, um Frauen einen Ausweg aus Gewaltbeziehungen zu bieten, "war häusliche Gewalt Privatsache", sagt Andrea Brem, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser. Das ist mittlerweile 30 Jahre her.

Heute gibt es in Wien vier Einrichtungen, in ganz Österreich 29. Das Engagement einzelner habe sich zum Selbstverständnis in der Gesellschaft entwickelt, sagt Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SP) am Mittwoch. Um den 30. Geburtstag gebührend zu feiern, findet ab Donnerstag im Rathaus eine zweitägige Enquete zum Thema "Schutz für Frauen und Kinder" statt.

Ausbau des Angebots

In den vergangenen drei Jahrzehnten suchten 11.000 Frauen in Wien Zuflucht in den Frauenhäusern. 166 Plätze stehen ihnen und ihren Kindern zur Verfügung. Die meisten bleiben nur einige Wochen. In seltenen Fällen werden die Frauen bis zu einem Jahr betreut. Was die Anzahl der Häuser betrifft, so würden die bestehenden genügen, sagt Brem. Barbara Feldmann von der Wiener VP sagt hingegen: "Die 166 Plätze sind zu wenig. Ein fünftes Haus wäre notwendig".

Was der Verein erhöhen möchte, ist die Zahl der Beratungsstellen, die es seit 1992 gibt, und der Übergangswohnungen für die Nachbetreuung. Derzeit gibt es 41 dieser Wohnungen, bis 2010 soll es 50 geben, kündigte Frauenberger an.

Weniger Rückkehrerinnen in Gewalt-Beziehungen

Frauenhäuser sind auch in Wiener Stadtbudget ein fixer Bestandteil: Vier Millionen Euro sind für sie jährlich vorgesehen. "Je mehr Angebot wir haben, desto mehr nehmen die Frauen sie auch in Anspruch", sagt Brem.

Ein Erfolg seit 1978 sei, dass sich Frauen immer öfter aus Gewaltbeziehungen lösen. Damals gingen noch 43 Prozent der Frauen nach einem Aufenthalt im Frauenhaus zu ihrem gewalttätigen Partner zurück, 2007 waren es nur noch 23 Prozent, schildert Brem.

Finanzielle Abhängigkeit verschärft Situation 

Wenngleich sich häusliche Gewalt durch alle Schichten ziehe, seien vor allem Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, die von ihren Männern finanziell abhängig seien. Das treffe vor allem auf Migrantinnen zu, die über den Familiennachzug nach Österreich gekommen sind und keinen eigenen Aufenthaltstitel hätten, sagt Brem. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.4.2008)

 

  • Mitte der 1980er Jahre sind noch 43 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen in ihre Beziehung zurückgekehrt, 2007 waren es nur mehr 23 Prozent.
    foto: standard/heribert corn
    Mitte der 1980er Jahre sind noch 43 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen in ihre Beziehung zurückgekehrt, 2007 waren es nur mehr 23 Prozent.
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