Fliegender Imageschaden

12. Februar 2003, 11:48
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Die AUA hat Probleme mit ihren Flugzeugen - Ein Kommentar von Michael Möseneder

Der Imageschaden für die AUA könnte größer kaum sein: Da will der Chefwaffeninspektor der UNO in den Irak und kommt aus Wien nicht weg. Weil der Flieger ein Motoren-problem hat. Und via CNN kann die interessierte Öffentlichkeit daran teilhaben, wie er zwei Stunden auf die Schadensbehebung warten muss. Bei Österreichs größter Fluglinie bedauert man den mittlerweile 52. Zwischenfall mit der Dash 8/400. Und verweist auf ein ohnehin implementiertes Maßnahmenpaket, das den flügellahmen Flieger in die Luft bringen soll. Die Umsetzung brauche aber seine Zeit, wird erklärt.

Stellt sich nur die Frage, ob der AUA diese Zeit bleibt, ehe ihre Passagiere sich von konkurrierenden Anbietern über die Wolken tragen lassen. Denn durch andere Maschinen ersetzen will man bei der AUA die Problemflieger vorerst nicht. Und riskiert damit, dass sich auch künftig Fluggäste über Lautsprecherdurchsagen giften, die "Verspätungen aufgrund technischer Schwierigkeiten" verkünden.

Vor allem aber bleibt offen, wie gefährlich die Dash 8/400 tatsächlich ist. Der Motorenschaden in Wien ist nach dem Radverlust von Frankfurt schon der zweite schwer wiegende Zwischenfall in den vergangenen beiden Wochen. Dazu kommen Dutzende falsche, computerbedingte Defektanzeigen im Cockpit seit dem vergangenen Frühjahr.

Der Hintergrund der aeronautischen Probleme: Die AUA fungiert gemeinsam mit der skandinavischen SAS quasi als Beta-Tester für das neue Fluggerät. Dafür waren die Maschinen günstiger zu bekommen. Nach der Pannenserie sollte man jetzt aber über eine Alternative nachdenken, ehe es zu einer Absturzkatastrophe kommt. Damit aus einem Imageschaden keine menschliche Tragödie wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2003)

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