Körperrituale

12. Februar 2003, 20:52
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Adolf Frohner - "Bilder und Grafik aus drei Jahrzehnten" in der Galerie Glacis, Graz

Auch Neo-Uniprofessor Adolf Frohner hat bei wilden Materialschlachten mitgemacht, was sich seinerzeit Aktionismus nannte. Bald aber sind die starken, dichten Kraftakte des Bezwingens jeder Konvention dem zeichnerisch geübten Bild gewichen und angeschwemmte Fundstücke wurden allenfalls dem vorab disponierten Bild in Form und Farbe streng gehorchend einverleibt.

Jetzt war das Bild nicht länger Körper, sondern der Körper wieder abgebildet. In dramatische Liniengeflechte eingesponnen stehen die Figuren aufgereiht, harren die in rasch-drastischen Zügen oftmals blicklos Eingefangenen der Marter, ausgestellt und Üppigkeit verheißend, wie einstmals Rinderhälften auf altniederländischen Gemälden ein wohlständig Begehren fokussierten.

Und "Dienerinnen" verrenken sich, dem auferlegten Vorbild treu, über Reckstangen und Tische gelegt, gar selbst zum Tisch und Stuhl verwandelt, in ihrer Ansicht öfters scharf zerschnitten, immer bereit, dem Fetischisten Körper, dem Pathologen Ansichtsmaterial zu liefern und ihre Scham als Wundmal vorzuweisen. (trag, DER STANDARD, Printausgabe vom 10.2.2003)

Galerie Glacis,
Glacisstr. 55/Maiffredyg. 1,
8010 Graz, (0316) 38 15 62
bzw. 0664/384 20 54.
Bis 31. 3.
  • „Kunst dient
dazu,dass
man seine
Wirbelsäulen-
flöte
senkrecht
tragen kann “,
sagt Adolf
Frohner:„Die
Dienerin “,
1975
    foto: galerie

    „Kunst dient dazu,dass man seine Wirbelsäulen- flöte senkrecht tragen kann “, sagt Adolf Frohner:„Die Dienerin “, 1975

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