Flugstopp von Dash 8/400 für AUA "kein Thema"

12. Februar 2003, 11:46
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Vorstand Bock: Es handelt sich nur um Verlässlichkeitsprobleme

Wien – Ein genereller Flugstopp – "Grounding" in der Fachsprache – für das "Problemflugzeug" Dash 8/400 ist bei der Austrian Airlines-Gruppe derzeit "kein Thema". Das sagte Austrian Airlines-Sprecher Johannes Davoras am Dienstagabend zur APA. Zuvor war der dienstägliche Venedig-Flug OS 5529 (Planabflug 17.25 Uhr) mit einer Dash 8/400 gestrichen worden. Der Flieger sei kurzfristig anderwertig benötigt worden, sagte die AUA.

Bei sämtlichen bisherigen Pannen mit Dash 8/400 habe es sich "nicht um Sicherheits-, sondern um Verlässlichkeitsprobleme" gehandelt, sagte der für den Flugbetrieb zuständige AUA-Vorstand Walter Bock. Es handle sich um ein "sehr modernes Flugzeug", das gut in die Austrian Airlines-Flotte passe, fügte Davoras hinzu. AUA-Chef Vagn Sörensen hatte kürzlich von üblichen "Kinderkrankheiten" gesprochen. Tyrolean-Chef Josef Messner bezeichnete allerdings die "Lernkurve" für die Dash 8/400 als zu lang.

Viertes Modifikationsprogramm

Derzeit laufe das vierte Modifikationsprogramm für das jüngste Dash-Modell des kanadischen Herstellers Bombardier weiter, sagte Davoras. Die Wiederherstellung der gewohnten Verlässlichkeit habe absolute Priorität, "die Kundenbeziehungen stehen im Vordergrund". Allfällige Schadenersatzansprüche gegen den Dash-Hersteller Bombardier würden erst später geprüft.

Wegen zahlreicher Störungen mussten seit ihrer Inbetriebnahme im April 2002 rund 50 Flüge mit Dash 8/400 vor allem auf der Strecke Salzburg-Frankfurt abgesagt werden. Die Zahl der tatsächlichen Störungen und daraus oft stundenlangen Verspätungen ist viel höher: Laut Tyrolean Flugbetriebs-Statistik wiesen 1,4 Prozent der monatlich 1.600 Flüge störungsbedingte Verspätungen auf, rund 22 pro Monat.

Optimierung der Elektronik

Das laufende Programm beinhaltet eine weitere Optimierung der Elektronik und Software-Programme vor sowie die Anpassung technischer Komponenten der Hydrauliksysteme. Nach einem Zwischenfall Ende Jänner in Frankfurt, wo eine Dash 8/400 ein Rad verloren hatte, werden nun alle anderen Dash-Fahrwerke auf mögliche Haarrisse überprüft. Zudem wurden die Inspektionsintervalle verkürzt. Das Technikteam der Tyrolean Airways wurde wegen der anhaltenden Probleme um zusätzliche neun Dash 8/400-Spezialisten aufgestockt. Das Wartungslager, das für diesen Flugzeugtyp einen Wert von 7,2 Mio. Euro hat, werde um weitere Ersatzteile im Wert von 600.000 Euro bestückt.

Ein Ausstieg aus dem aktuellen Vertrag mit Bombardier ist laut AUA-Management nicht möglich. Die AUA will aber keine neue Dash 8/400 mehr bestellen, bis alle Fehler des Fliegers behoben sind. Tyrolean hat bereits sieben Dash 8/400 von Bombardier übernommen, die achte Maschine befinde sich gerade "im Status der Übernahme".

Ende Jänner verlor eine Dash 8/400 während des Flugs nach Frankfurt ein Rad, weil eine Radmutter am Fahrwerk gebrochen war. Zuvor musste ein Flieger dieses Typs auf dem Weg von Zagreb nach Wien wegen eines Hydraulik-Problems in Graz notlanden. Am vergangenen Freitag verzögerte eine technische Panne die Abreise der beiden UNO-Chefwaffeninspektoren nach Bagdad um rund zwei Stunden. Der rechte Motor der Maschine Dash 8/400 ließ sich nicht einwandfrei starten.

75 Maschinen im Einsatz

Derzeit sind weltweit rund 75 Maschinen dieses Typs im Einsatz. Neben Tyrolean fliegen noch SAS, Augsburg Airways, British European und der US-Carrier Horizon mit Dash 8/400. Die Probleme sind überall ähnlich, vor allem computerbedingte Fehlanzeigen.

Das Flugzeug ist eine weiterentwickelte Version der problemlosen Dash 8/300. Das Nachfolgermodell gilt als bedienungsfreundlich, relativ schnell und sehr günstig im Betrieb. Laut Bock verbraucht eine Dash 8/400 "auf der Strecke Wien-Salzburg so viel Treibstoff wie ein Jet auf der Rollbahn vor dem Abflug". (APA)

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