Wahlkampf "wie in guten alten Zeiten"

9. Februar 2003, 20:24
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"Bodenständiges" für FP-Gemeindefunktionäre in Kärnten

Feldkirchen - Heimatlieder sind angesagt. Bieranstich, Frühschoppen und Ritschert, sozusagen das Kärntner Nationalgericht, ein Eintopf aus Rollgerstl und Geselchtem. Alles ganz nach dem Geschmack der rund 500 freiheitlichen Gemeindefunktionäre, die am Samstag recht zahlreich ins Hotel Germann zum FPÖ-Gemeinderatswahlkampfauftakt nach Feldkirchen gepilgert sind.

Kärntens Freiheitliche finden wieder zu ihren Wurzeln zurück. Keine durchgestylten Shows, keine im neuesten Modetrend tänzelnden Yuppies mehr, sondern g'standene Funktionäre sind hier zu finden, so genannte bodenständige Leut'. Sie alle sind gekommen, um "ihrem" Jörg zu demonstrieren: "Wir stehen auch in schwierigen Zeiten hinter dir." Und Haider attackiert wieder Rot und Schwarz, gespickt mit deftigen Ansagen. Nichts "als Schulden und Ruinen", hätten die Roten im Land hinterlassen, die jetzt von der blauen Regierungspolitik aufgeräumt werden müssten. "Verrat und Gesinnungslosigkeit" wirft er der ÖVP und insbesondere Wolfgang Schüssel vor, warnt, wie auch der anwesende FP-Bundesobmann Herbert Haupt, vor einem schwarz-grünen Schreckgespenst. "Ganz wie in guten alten Zeiten", ist ein kampferprobter Gemeindefunktionär begeistert.

Hier in Feldkirchen, der einzigen Bezirksstadt Österreichs, in der die FPÖ einen Bürgermeister stellt, scheint die Welt der Blauen noch in Ordnung. Von hier aus will man die Rückeroberung der "Fleißigen und Anständigen" in Angriff nehmen. "Bleibt dem Original treu", gibt Parteiobmann Martin Strutz in Anspielung auf diverse SPÖ-Bemühungen die Kampfparole aus.

Bei den Gemeindratswahlen 1997 war die FPÖ erstmals in traditionell tiefrote Gemeinden (insgesamt 132) eingebrochen, erreichte kärntenweit mit 26,1 % Platz zwei und stellt derzeit 17 Bürgermeister. Die SPÖ liegt mit 40,5 % und 72 Bürgermeistern nach wie vor unangefochten an der Spitze. Die ÖVP kam auf 22,3 % und 29 Bürgermeister.

Zittern um FP-Bastion

Bei den Landtagswahlen 1999 gelang es Jörg Haider schließlich, Kärnten fast gänzlich blau einzufärben. Nach der letzten Bundeswahl wiederum präsentiert sich das FP-Kernland tiefschwarz. Obwohl Gemeinderatswahlen in erster Linie Persönlichkeitswahlen sind und nicht eins zu eins mit Landes- oder Bundeswahlen vergleichbar, muss die FPÖ nach ihrem Desaster bei den Bundes- und Grazer Kommunalwahlen auch um ihre letzte verbliebene Bastion Kärnten zittern. Ein weiterer Absturz wäre für die bevorstehende Landtagswahl 2004 ein schlimmes Signal. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2003)

Landeshauptmann Jörg Haider attackiert Rot und Schwarz, FP-Bundesobmann Herbert Haupt warnt vor Schwarz-Grün. Die FPÖ gibt sich beim Auftakt für die Kärntner Gemeinderatswahlen wieder bodenständig und heimattreu.

von Elisabeth Steiner
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