21 Van-Gogh-Briefe wieder aufgetaucht

9. Februar 2003, 18:48
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New Yorker Kunsthändler und -sammler Eugene Victor Thaw erwarb sie von Rothschild-Familie - Briefe waren seit 1938 verschollen

Köln - Wenige Wochen vor dem 150. Geburtstag von Vincent van Gogh (1853-1890) sind 21 wertvolle handschriftliche Briefe des niederländischen Malers an seinen jüngeren Künstlerfreund Mile Bernard wieder aufgetaucht. Sie waren seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1938 verschollen.

Damals gehörte das Konvolut der Pariser Bankiersfamilie Rothschild, deren Sammlungen später von den Nationalsozialisten geplündert wurden. Der New Yorker Kunsthändler und -sammler Eugene Victor Thaw (75) bestätigte in der Sendung "Kultur heute" am Freitagabend im Deutschlandfunk, dass sich die Autografe in seinem Besitz befänden. Der 150. Geburtstag van Goghs wird am 30. März begangen.

Federzeichnungen

In den 21 Briefen teilte van Gogh zwischen Sommer 1887 und Herbst 1889 dem jüngeren Kollegen, den er in Paris kennen gelernt hatte, seine künstlerischen Ideen mit: "Mehr und mehr habe ich den Eindruck, dass es die Macht des Einzelnen übersteigt, die Bilder zu malen, die gemacht werden müssten, damit die moderne Malerei ganz sie selbst ist." Er beschrieb detailliert seine handwerklichen Fortschritte - und belegte sie auch bildlich. Die Briefe an Mile Bernard enthalten Federzeichnungen nach einigen der berühmtesten Gemälde Vincent van Goghs: Das "Schlafzimmer in Arles" etwa, die "Boote am Strand von Saintes-Maries-de-la-Mer" oder die "Zugbrücke in Arles".

Thaw, dem eine bedeutende Privat-Sammlung mit Zeichnungen von Altmeistern und Künstlern des 19. Jahrhunderts mit Blättern unter anderem von Mantegna, Cranach, Rembrandt und Degas gehört, erwarb die Briefe nach eigenen Angaben erst vor kurzem von einem Mitglied der Rothschild-Familie.

Briefausgabe

Sie werden nun Eingang in die historisch-kritische Briefausgabe finden, die zur Zeit das Amsterdamer Van-Gogh-Museum vorbereitet. Über den Kaufpreis machte Thaw keine Angaben. Im Mai 2001 hatte im Pariser Auktionshaus Drouot ein unbekannter Sammler für einen einzigen, wesentlich unbedeutenderen Van-Gogh-Brief ohne Zeichnungen umgerechnet 160.000 Euro gezahlt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Selbstporträt Vincent van Goghs aus dessen "Pariser Jahren".

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