Silber, das wie Gold glänzt

11. Februar 2003, 12:56
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Alexandra Meissnitzer wird in der Damen Abfahrt hinter der Kanadierin Melanie Turgeon und zeitgleich mit der Schweizerin Rey-Bellet Zweite

St. Moritz - Die Kanadierin Melanie Turgeon ist am Sonntag in St. Moritz zu WM-Gold in der Abfahrt gefahren - überraschend, aber nicht ganz aus dem Blauen. Jubel gab es aber auch im österreichischen Lager, denn Alexandra Meissnitzer blieb nur 0,11 Sekunden hinter der 26-Jährigen und holte mit Silber die fünfte ÖSV-Medaille. Ex aequo mit der Salzburgerin Zweite: die Schweizerin Corinne Rey-Bellet. Für die lange Zeit in Führung liegende Brigitte Obermoser blieb nur der undankbare vierte Rang (+0,27), Ex-Weltmeisterin Renate Götschl wurde Fünfte (+0,35).

Für die ÖSV-Abfahrts-Damen ging am Sonntag vor 17.000 Zuschauern zwar eine tolle WM-Serie zu Ende, denn in Vail 1999 hatte es in der Abfahrt einen Vierfach-Triumph und in St. Anton 2001 einen Dreifach-Erfolg zu feiern gegeben, an der Leistung der Österreicherinnen gab es aber nichts auszusetzen. Christine Sponring und die zum engeren Favoritenkreis gehörende Titelverteidigerin Michaela Dorfmeister komplettierten mit ihren Rängen acht und zwölf ein starkes Ergebnis.

Unerwartet

Für Meissnitzer, die so wie Herren-Weltmeister Walchhofer mit Nummer 31 ins Rennen ging, strahlte ihre fünfte Medaille bei einem Großereignis wie Gold: "In der Abfahrt hab ich das am allerwenigsten erwartet. Ich hab so eine Freude mit der Silbernen", strahlte die 29-Jährige, die auf ihre perfekten Ski verwies: "Ich hab ein unglaubliches Gerät unter den Füßen gehabt. Denn mein Lauf war alles andere als fehlerfrei, im Ziel konnte ich es gar nicht glauben."

Den ersten Sieg seit ihren schweren Knieverletzung nach dem Weltcup-Gesamtsieg 1998/99 und das 13. Abfahrts-Gold für Österreich verpasste Meissnitzer knapp, die erste Medaille seit Vail 1999 war aber Kompensation genug: "Ich hab so lange drauf warten müssen, hab mich aber nicht verkrampft und bin locker geblieben."

"Hab es kommen sehen"

Siegerin Turgeon hat zwar erst einen Weltcup-Erfolg (Super-G in Innsbruck 1999) zu Buche stehen, dennoch war das Energiebündel aus Quebec bereits im Vorfeld der Abfahrt von einer Top-Leistung überzeugt. "Ich habe es kommen sehen und mir die ganze Woche eingeredet, dass ich dieses Rennen gewinne. In dieser Saison hatte ich schon öfters am Podest angeklopft, ich habe lang und hart gearbeitet", jubelte Turgeon.

Große Befriedigung verspürte auch die Silber-Gewinnerin Rey-Bellet, die zuletzt in den Schweizer Medien heftig kritisiert worden und nach einem Training sogar mit Weinkrämpfen zusammengebrochen war. Für die 30-Jährige war es so wie für Turgeon die erste Medaille bei einem Großereignisses.

Viele Sieganwärterinnen

Bei strahlendem Sonnenschein war schon vor Beginn der Abfahrt auf der "Engiadina" klar, dass auf der relativ einfachen Strecke der Favoritenkreis sehr groß sein würde. Die stark steigenden Temperaturen sorgten für Hochbetrieb im Materiallager. Brigitte Obermoser legte mit Startnummer vier die erste echte Richtzeit hin, die bis zur Nummer 22 (Rey-Bellet) hielt. "Das Warten ist schlimmer als das Rennen selber", zitterte die Altenmarkterin, die schließlich mit Rang vier Vorlieb nehmen musste.

Unmittelbar hinter ihr kam Renate Götschl auf Platz fünf. Die Steirerin fuhr den technisch schwierigen Mittelteil schnell wie keine andere, verlor aber in den Gleitpassagen davor und danach zu viel. "Mir fehlt wegen meiner Knieverletzung einfach noch das wirkliche Gefühl fürs Gleiten, das war hier nicht wettzumachen", sagte Götschl. Dass sie medaillenlos geblieben ist, sei kein Problem. "Allein, dass ich hier überhaupt mitfahren konnte, war schon nicht selbstverständlich."

Ihre Aufstellung voll gerechtfertigt hat Christine Sponring, die noch vor Abfahrts-Größen wie Isolde Kostner, Dorfmeister oder Hilde Gerg hervorragende Achte wurde. "

Ergebnis

Abfahrt der Damen

Anssichtssache

"Ich habe es mir so gewünscht und es ist aufgegangen"

Stimmen

Melanie Turgeon (Gold): "Ich freue mich sehr. Ich habe so lange und hart darauf hingearbeitet. Das ist meine erste Medaille überhaupt. Ich habe es mir so gewünscht und es ist aufgegangen."

Alexandra Meissnitzer (Silber): "In der Abfahrt hätte ich am Allerwenigsten damit gerechnet. Zuerst muss ich ein großes Lob an die Firma Völkl und meinen Servicemann aussprechen. Ich habe heute ein Gerät an den Füßen gehabt, ich hätte mich fast damit erschlagen. Ich habe eine große Freude mit Silber. Normalerweise bin ich mit einem fehlerfreien Lauf nicht ganz vorne und heute war ich mit Fehlern so weit vorne."

Brigitte Obermoser:
"Vierte zu sein ist bei einer WM der blödeste Platz. Wenn es aber nicht sein will, kann man es nicht erzwingen. Wäre es keine WM, wäre das ein Super-Resultat gewesen. Aber die Welt geht deshalb nicht unter, ich werde noch einige Weltmeisterschaften fahren.

Renate Götschl: "Dass ich keine wirklich Gleitspezialistin bin, ist klar. Der Rückstand oben war auch durch eine starke Fahrt im Mittelteil nicht mehr aufzuholen.

Hans Pum:
"Meissnitzer hat im Schlussteil zu viel gehalten, ist zu sauber auf der Kante gefahren. Und Götschl ist den Mittelteil so sensationell wie keine andere gefahren. Wirklich schade. Aber mannschaftlich war das ein ganz starkes Ergebnis."

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    Alexandra Meissnitzer

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