"Liberales Korrektiv"

9. Februar 2003, 10:54
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Rolle der Grünen als Koalitionspartner wäre für Van der Bellen einfach auch, Schwarz-Blau zu verhindern

Wien - Bundessprecher Alexander Van der Bellen würde die Grünen in einer Koalition mit der ÖVP als "liberales, grünes, ökologisches Korrektiv" sehen. Das Motiv, Schwarz-Blau zu verhindern, stehe bei den Überlegungen zur Aufnahme von Verhandlungen mit der ÖVP "nicht an erster Stelle, aber doch ziemlich weit vorn", sagt Van der Bellen in der Sonntag-Ausgabe der "Kronen-Zeitung".

In der "Kleinen Zeitung" meint der Grüne Bundessprecher auch im Hinblick auf die innerparteilichen Kritiker: "Ich verstehe die Sorgen total. Aber wir wurden auch gewählt, um uns zu überlegen, welche Alternativen es gibt - auch im negativen Sinn. Schwarz-Rot? Oder gar NeuSchwarz-Blau? Ich sehe da ein schwaches Licht am Horizont. Viele Grüne tun das nicht. Nur, man sollte nicht a priori die Augen zukneifen. Ob wir einer Koalition mit der ÖVP unsere grüne Handschrift aufdrücken könnten, wird sich weisen. Dazu müssen wir aber über einige unserer Schatten springen."

"Innovatives Projekt"

Gewissheit, dass es die ÖVP in den Verhandlungen ernst meine, "gibt's keine. Aber die Chance, ein innovatives Projekt aufzuziehen, das europäische Aufmerksamkeit erregen würde. Wer weiß, ob es gelingt. Wir werden uns vor niemanden hinwerfen. Aber wir wollen es zumindest versuchen."

Auch wenn sich die Grünen nicht mit der ÖVP einigen sollten, wären die Verhandlungen nach Ansicht Van der Bellens keine vergeudete Zeit. "Auch wenn's nichts wird, war es nicht umsonst. Weil sich atmosphärisch viel verändert hat. Wir sind für die ÖVP kein unbeschriebenes Blatt mehr. Niemand wird uns mehr für die kleinen Neffen der SPÖ halten."

"Huch noch ein Gebirge"

Die stellvertretende Klubobfrau Madeleine Petrovic hält Schwarz-Grün für "ein gewaltiges Vorhaben, und im Detail werden wir wahscheinlich jeden Tag sagen: Huch noch ein Gebirge vor uns. Jede Skepsis ist angesagt. Aber wenn man nicht wagt, ist es auch schwer zu gewinnen." Gleichzeitig gibt Petrovic in der am Montag erscheinenden Ausgabe des "profil" der ÖVP auch inhaltliche Vorgaben. Die Verschärfungen im Migrations- und Integrationsbereich "waren ein Rückschritt in der Menschenrechtspolitik. Wenn die ÖVP ein Bündnis mit den Grünen will, muss sie wissen, dass das sicher nicht so weiter gehen kann." Auch in punkto Abfangjäger bleibt Petrovic bei der ablehnenden Haltung der Grünen. Und wenn die ÖVP hart bleiben sollte, "dann werden die Grünen zu beurteilen haben, was das bedeutet". (APA)

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