Sri-Lanka-Friedensverhandlungen ín Berlin

9. Februar 2003, 14:14
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Einigung über soziale Wiedereingliederung von Kindersoldaten

Berlin - Der Friedensprozess im Bürgerkriegsland Sri Lanka hat bei der fünften Verhandlungsrunde in Berlin erneut Fortschritte gemacht. Der bedeutendste Erfolg seien Absprachen über die soziale Wiedereingliederung der Kindersoldaten der tamilischen Rebellenorganisation "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE). Dies teilte Norwegens Außen-Staatssekretär Vidar Helgesen zum Abschluss der Verhandlungsrunde zwischen der Regierung des Inselstaates und der LTTE gestern, Samstag, in Berlin mit.

Die Jugendlichen sollten jetzt eine berufliche Ausbildung erhalten, sagte Helgesen. Weitere 350 Kindersoldaten seien in ihre Familien zurückgekehrt. Der Chefunterhändler der "Befreiungstiger von Tamil Eelam", der im Londoner Exil lebende Anton Balasingham, versicherte, die LTTE würde keine Soldaten mehr unter 18 Jahren anheuern. Verstöße würden künftig bestraft. Der Einsatz von Kindersoldaten, die häufig kaum älter als zehn Jahre waren, war international scharf kritisiert worden und hatte bisher verhindert, dass die Tamilen-Gruppe als politische Partei anerkannt wurde.

Gemeinsame Anstrengungen

Die Regierung Sri Lankas und die tamilischen Rebellen haben sich auch auf gemeinsame Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in dem Bürgerkriegsland geeinigt. Dafür solle der ehemalige Chef der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai), Ian Martin, einen "Menschenrechts-Fahrplan" ausarbeiten, teilten beide Seiten am Samstag nach zweitägigen Verhandlungen in Berlin mit. Zudem wollten Regierung und Rebellen mit dem UNO-Kinderhilfswerk UNICEF zusammenarbeiten.

Beide Seiten riefen die internationale Gemeinschaft zur finanziellen Unterstützung des Friedensprozesses auf. Frieden sei nicht billig zu haben, sagte der Chefunterhändler der Regierung, Gamini Lakshman Peiris, bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Balasingham. Sri Lanka sei ein Beispiel, bei dem zwei ehemalige Kontrahenten nun "an die Welt appellieren und mit einer Stimme sprechen, um ein Land wieder aufzubauen, das durch einen ethnischen Konflikt zerstört worden ist". Im Mai soll in Japan eine internationale Geberkonferenz für Sri Lanka stattfinden.

Wiederaufbau

Nach Angaben Helgesens wurden bei dem eineinhalbtägigen Treffen in Berlin auch Absprachen über den Wiederaufbau im Norden und Osten des Landes getroffen. Ein Abkommen mit der Weltbank stehe kurz vor dem Abschluss. Geplant sei auch ein Programm für vertriebene Muslime. Beide Seiten hatten sich im vergangenen Dezember auf die Schaffung eines föderalen Staates geeinigt. Regierungs-Chefunterhändler Peiris sagte, nach mehr als 20 Jahren Krieg ließen sich die Probleme des Landes "nicht über Nacht lösen".

Der Auftakt der fünften Verhandlungsrunde war am Freitag durch einen Zwischenfall überschattet worden. Tamilische Separatisten hatten sich auf einem Boot mit ihren Waffen in die Luft gesprengt, nachdem skandinavische Waffenstillstands-Beobachter bei ihnen ein Flugabwehrgeschütz und eine große Menge Munition vorfanden. Dabei kamen drei Mitglieder der Rebellenbewegung ums Leben. Wie die norwegischen Vermittler berichteten, habe man in Berlin daraufhin Wege erörtert, solche Zwischenfälle zu vermeiden. In der Abschlusserklärung verurteilten die Verhandlungspartner den Zwischenfall.

Seit 1983 wurden 69.000 Menschen im Kampf der LTTE für einen eigenen Tamilen-Staat im Norden der Insel getötet. Die Friedensgespräche sollen im März in Tokio mit einer sechsten Runde fortgeführt werden. (APA/dpa/AFP/AP)

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