Wichtiges "Columbia"-Wrackteil gefunden

9. Februar 2003, 22:00
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Das Teil der Tragfläche könnte das entscheidendes Puzzlestück zur Klärung der Absturzursache sein

Washington - Ein 65 Zentimeter langes Wrackteil von einer Tragfläche der verunglückten Raumfähre "Columbia" soll das Rätsel über die Absturzursache klären helfen.

Das Metallstück wurde am Freitag in der Nähe von Fort Worth im US-Bundesstaat Texas gefunden und gilt als möglicherweise entscheidendes Puzzlestück.

In Texas gaben unterdessen Souvenirjäger hunderte Trümmer zurück. Die Behörden hatten eine Frist bis Freitagabend gesetzt und allen, die danach mit Wrackteilen erwischt werden, drakonische Strafen angedroht.

"Wenn das gefundene Teil von der linken Tragfläche stammt, wäre das natürlich bedeutend", sagte der Chef des Shuttle-Programms, Ron Dittemore, am Freitagabend (Ortszeit) in Houston. Am linken Tragflügel hatte sich die Katastrophe vom vergangenen Samstag angebahnt. Mehrere Sensoren zeigten Minuten, bevor der Funkkontakt abbrach, erhöhte Temperaturen. An Bord kamen sieben Astronauten ums Leben.

Ein Bild, das eine Minute vor dem Auseinanderbrechen der Raumfähre zufällig von einem Armeeteleskop in New Mexico aufgenommen worden war, scheint auch Probleme mit der linken Tragfläche zu zeigen. Auf dem Bild ist verschwommen ein Schatten zu sehen. "Es ist noch nicht sehr aufschlussreich für uns", sagte Dittemore. "Wir bitten Experten um eine Beurteilung des Fotos."

An dem gefundenen Wrackteil sind noch einige der Hitze abweisenden Kacheln enthalten, die die Ermittler besonders interessieren. Wenn einige der Kacheln im Flug verloren gingen, könnte die Hitze beim Wiedereintritt der Raumfähre in die Erdatmosphäre ein Loch in das Aluminiumgehäuse gebrannt und damit den Absturz verursacht haben.

Berichte, wonach auch in Kalifornien, Arizona und New Mexico Wrackteile gefunden wurden, haben sich nach Angaben von Dittemore nicht bestätigt. Das hätte bedeutet, dass die "Columbia" schon Minuten früher begann, auseinander zu brechen als bislang angenommen. Der Großteil der Trümmer wurde in Ost-Texas gefunden. Dort wurden am Freitag bis zu ein Meter große Trümmerteile abgegeben, die Souvenirjäger von den Fundstellen entwendet hatten. Auf den Diebstahl von Shuttle-Trümmern steht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe bis zu 250.000 Dollar. Wer geklaute Stücke bis Freitagabend abgab, konnte sich der Strafe entziehen.

Die "Columbia"-Katastrophe könnte drastische Auswirkungen auf die europäische Raumfahrtindustrie haben, meinte die deutsche Forschungsministerin Edelgard Bulmahn. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte die Politikerin: "Das Startdatum für das europäische Forschungslabor Columbus im Oktober 2004 ist stark gefährdet." Sie schlug vor, dass die Länder, die an der Raumfahrtforschung beteiligt sind, ein neues bemanntes Trägersystem entwickeln. "Wir müssen in diesem Bereich international zusammenarbeiten." (APA)

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