Blix und El Baradei rufen zu mehr Geduld auf

10. Februar 2003, 06:31
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Blix kritisiert unvollständige irakische Liste mit Wissenschaftlern und er stellt klar: "Wir arbeiten nicht für die USA, sondern für den Sicherheitsrat"

Bagdad - Die beiden Chefinspektoren der Vereinten Nationen haben mit Blick auf die USA zu mehr Geduld im Irak-Konflikt aufgerufen. Ein Krieg würde ein Scheitern ihrer Bemühungen bedeuten, sagte Hans Blix und Mohammed El Baradei am Sonntag abend zum Abschluss ihrer zweitägigen Gespräche in Bagdad der Nachrichtenagentur AP.

"Die Leute müssen einsehen, dass Inspektionen ihre Zeit brauchen", sagte El Baradei, der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). "Aber wenn sie funktionieren, sind sie eine viel bessere Alternative als Krieg, bei dem man jahrzehntelang Auswirkungen hat." Bei den Gesprächen am Wochenende habe die irakische Führung die Fragen nach dem Verbleib von früher festgestellten Beständen an biologischen und chemischen Kampfstoffen wie Anthrax und VX ernst genommen. Jetzt versuche die irakische Regierung, "kreative Wege anzubieten, diese Fragen zu lösen". Die beiden Chefinspektoren hatten zuvor bereits öffentlich erklärt, sie hätten eine größere Kooperationsbereitschaft der irakischen Regierung registriert.

Blix wies erneut auf die Kosten eines Krieges hin. Diese müssten auf mehr als 100 Milliarden Dollar und den Einsatz von 200.000 Soldaten geschätzt werden. Die UNO-Inspektionen kosteten hingegen bei einem Einsatz von 200 Experten nur 80 Millionen Dollar im Jahr. Es wäre zudem paradox, wenn jetzt ein folgenschwerer Krieg geführt würde, an dessen Ende man feststellen müsste, dass es im Irak, wenn überhaupt, nur wenige Massenvernichtungswaffen gegeben habe. Zur jüngsten Äußerung von US-Präsident George W. Bush, das Spiel sei vorbei, sagte Blix: "Nun, wir arbeiten nicht für die hohen Regierungsbeamten der USA, sondern für den Sicherheitsrat."

Blix hat allerdings eine irakische Liste mit Wissenschaftlern, die den UNO-Teams für Fragen zur Verfügung stehen sollen, als unvollständig kritisiert. "Wir haben eine Liste mit dem Personal vorgelegt, das wir anhören wollen und wir sind nicht zufrieden mit der Liste, die wir bekommen haben", sagte Blix am Sonntag vor Journalisten in Bagdad. Die irakische Regierung habe aber versprochen, die Liste zu vervollständigen. Zwei Wissenschaftler lehnten es nach irakischen Angaben ab, von den Inspektoren im Ausland befragt zu werden.

Seit Donnerstag befragten die UNO-Waffeninspektoren die ersten fünf irakischen Wissenschaftler unbeaufsichtigt. Die Waffenkontrollore können dies laut UNO-Resolution 1441 verlangen, Bagdad hatte dies aber bis dahin abgelehnt und stets Beobachter geschickt.(APA/AP)

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    Hans Blix und Mohammed ElBaradei

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