Lager geben's billiger

12. Februar 2003, 13:41
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Die Wirtschaftsflaute und ein Überangebot am Markt haben zu einem Preisverfall bei Lagerimmobilien geführt

"Die Preise für durchschnittliche Lagerimmobilien sind in den vergangenen Jahren gesunken." Reinhard Schmied, Geschäftsführer des Gewerbeimmobilien-Spezialisten American Appraisal, beziffert die Miete für Lager in guten Lagen mit "rund um die fünf Euro, exklusive Betriebskosten".

Den Trend zu fallenden Preisen führt er darauf zurück, dass es ein gewisses Überangebot am Markt gebe und die Nachfrage konjunkturell bedingt abgenommen habe. "Die Freude am Übersiedeln ist durch die derzeitige wirtschaftliche Lage geringer geworden." Eine gewisse Anfrage- und Vertragsfrequenz sei vor allem noch bei Kleinflächen zwischen 300 und 1500 Quadratmetern zu beobachten, darüber "wird die Luft schon etwas dünner".

Zentrallager

Dazu komme, dass es bei großen Firmen den Trend gebe, ihre einzelnen Lager in ein großes Zentrallager auszulagern, um die Kosten zu verringern. "Denn Lagerkosten sind immer auch stehende Kosten", sagt Schmied.

In diesem Zusammenhang gewinne auch der Standort Osteuropa immer stärker an Bedeutung. Das sei eine Entwicklung, die sich im Raum Wien bereits seit einiger Zeit abzeichne, sagt Peter Benesch von der Immobilientreuhandfirma Inter-pool. Dort hätten einige Firmen ihre Lager abgezogen und in den Osten verlagert.

"Wenn die Stadtentwicklung und der Infrastruktur-ausbau in der Region Wien weiter so schleppend vor sich gehen, werden sich noch mehr Firmen überlegen, ob sie die Hauptstadt noch als Standort für ihren Lagerplatz behalten wollen", warnt auch Schmied. Die Politik sei in diesem Bereich gefordert, zügiger vorzugehen.

Anforderungsprofile

Die Vorstellungen, die Unternehmen von Lagerimmobilien hätten, seien sehr vielfältig, sagt Benesch. Daher müssten Immobilienfirmen die Anforderungsprofile ihrer Kunden kennen, um ihnen die richtigen Objekte anbieten zu können. "Alles andere ist einfach gestohlene Zeit", so Benesch.

Die Kunden müssten sich zunächst klar werden, welche Kriterien die gewünschte Immobilie erfüllen soll. "Wesentlich dabei sind etwa die Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten, insbesondere für große Lkw oder Sattelschlepper", sagt Eduard Praitenlachner von der Firma EP-Immobilien. Auch die Konstruktion des Gebäudes sei sehr wichtig.

Gesucht werde meist eine Kombination aus Lager- und Büroflächen. Einige Firmen bräuchten aber etwa auch Hochregallager oder Verladerampen für den raschen Umschlag des Lagergutes. Kriterien können auch die Isolierung der Lagerhallen oder das Vorhandensein einer Heizung sein, sagt Schmied. (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD, Printausgabe 8/9.2.2003)

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