Umfrage: Italiener fordern Berlusconis Rücktritt bei Verurteilung

7. Februar 2003, 20:10
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Sollte Premier wegen Korruption schuldig gesprochen werden

Rom - Die Mehrheit der Italiener würde den Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi fordern, sollte dieser wegen Korruption verurteilt werden. Dies ist das Ergebnis einer heute, Freitag, veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SWG. 65 Prozent der Befragten meinen, Berlusconi sollte sofort seine Demission einreichen, wenn er wegen Korruption zweier Richter in den achtziger Jahren für schuldig erklärt würde. 30 Prozent der Befragten sind hingegen der Ansicht, Berlusconi wäre auch im Fall eines Urteils nicht zum Rücktritt verpflichtet.

Sollten wegen Berlusconis Rücktritt Neuwahlen ausgeschrieben werden, würde der Ministerpräsident wieder den Urnengang gewinnen, glauben 37 Prozent der Befragen. 30 Prozent der Italiener meinen dagegen, dass die oppositionelle Mitte-Links-Allianz als Sieger hervor gehen würde. Eine absolute Mehrheit (55 Prozent) glaubt nicht, dass die Mailänder Richter, vor denen sich Berlusconi verantworten muss, voreingenommen sind. 27 Prozent der Befragten meinen hingegen, dass die Richter Berlusconi aus politischen Gründen "verfolgen", wie es der Regierungschef seit Jahren behauptet.

Im Verfahren gegen Berlusconi geht es um mutmaßliche Schmiergelder, die er und sein Ex-Rechtsanwalt Cesare Previti in den achtziger Jahren an römische Richter gezahlt haben sollen, um eine günstige Entscheidung über den Verkauf des staatlichen Nahrungsmittelkonzerns Sme zu erwirken. Berlusconi wollte angeblich bei einer Entscheidung über den stückweisen Verkauf der staatlichen Lebensmittelgruppe mit Schmiergeldzahlungen die Richter beeinflussen. Der Ministerpräsident bestreitet dies jedoch und spricht von einem "Racheakt linkslastiger Staatsanwälte" in Mailand. Ein Urteil im Prozess ist voraussichtlich im März zu erwarten. (APA)

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