Wieder Musical am Schauplatz des Moskauer Geiseldramas

7. Februar 2003, 19:57
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Dreieinhalb Monate nach dem Drama im Musicaltheater wird wieder "Nord-Ost" gespielt

Moskau - Das russische Musical "Nord-Ost" ist dreieinhalb Monate nach der gewaltsamen Beendigung des Moskauer Geiseldramas auf die Bühne zurückgekehrt. "Die Geiselnahme war ein schwerer Schlag für uns, den wir mit großen Schwierigkeiten überlebt haben", sagte der Produzent und Autor Georgi Wasiljew am Freitag vor der Vorpremiere im Moskauer Theater Dubrowka. "Es ist ein Stück über Liebe, Glauben und Gerechtigkeit und wir sollten beweisen, dass Ideale existieren, die nicht getötet werden können", fügte Wassiljew hinzu. Zu der Sondervorführung waren Schauspieler und Zuschauer eingeladen, die die Geiselnahme überlebten, sowie Ärzte, Rettungsmediziner, Journalisten und Mitglieder der Sonderpolizei, die bei der Beendigung des Geiseldramas geholfen hatten.

Zum Schutz der Vorstellung waren nach Angaben der Nachrichtenagentur ITAR-TASS rund 200 Polizisten abkommandiert. Zivilpolizisten mischten sich unter die Zuschauer, die am Eingang Metalldetektoren passieren mussten. Der Saal wurde von Spürhunden durchsucht und mit Kameras überwacht. Am Samstag stand die erste öffentliche Vorstellung auf dem Programm.

Blaue Bezüge auf den ehemals roten Sesseln

"Ich bin sehr bewegt und stolz, dass das Stück wieder aufgenommen wird, und dass wir die Kräfte und die finanziellen Mittel dafür gefunden haben", sagte der Schauspieler Andrej Bogdanow. Das Theater wurde nach dem Geiseldrama renoviert. Die ehemals roten Stühle erhielten blaue Bezüge. Der Orchestergraben, der von den Geiselnehmern zur Latrine bestimmt worden war, wurde umgebaut, so dass die Musiker nun näher am Publikum sitzen. "Ich bin froh, wieder auf der Bühne zu stehen, aber es bleibt ein Nachgeschmack, weil die Erinnerungen zurückkommen", sagte Bogdanow weiter. So sei auf der Bühne ein Einschussloch zurückgeblieben.

Tschetschenische Rebellen hatten das Theater am 23. Oktober gestürmt und rund 800 Zuschauer und Schauspieler als Geiseln genommen. Spezialeinheiten hatten das Geiseldrama nach drei Tagen gewaltsam beendet. Zu den 129 getöteten Geiseln gehörten auch acht Musiker und neun Ensemblemitglieder. (APA)

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