Der Medienstandort

9. Februar 2003, 19:30
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8./9.2.2003 - "Bekommt Mona den ersehnten Job? Seien Sie doch wieder mit dabei, in der nächsten Folge von ,Artern - Stadt der Träume'" ...

... hier im MDR!" Mit diesem höflichen Schlusswort des Off-Kommentators endete Donnerstagabend die erste Folge eines neuen Fernsehexperiments, das angeblich vorhat, die Lebenssituation derer, die es ausstellt, auch ohne Hauptgewinne oder Superstarweihen nachhaltig zu verbessern.

"Stadt der Träume", eine Endemol-Produktion, hat bis jetzt nichts von einer Containershow oder einer Dokusoap. Das 25-minütige, erste Häppchen erinnerte vielmehr an eine klassische Reportage und kam dafür mit seiner onkelhaften Off-Stimme auch gleich etwas bieder und verschnarcht daher. Im Zentrum steht die Kleinstadt Artern in Thüringen, deren knapp 7000 Bewohner und Bewohnerinnen zu den wirtschaftlichen Verlierern der Wiedervereinigung gehören. Rund ein Viertel der "arbeitsfähigen Bevölkerung" des einstigen DDR-Industriestandorts ist ohne Beschäftigung.

Mona etwa, heute 33, gelernte Verkaufsfachkraft, schreibt seit gut zehn Jahren vergeblich Bewerbungsbriefe. Ein neues Supermarktprojekt verspricht nun die Möglichkeit auf das Ende ihrer Arbeitslosigkeit. Das Fernsehen macht daraus einen Cliffhanger. Damit jeden zweiten Donnerstag wenigstens die Quote stimmt. (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 8./9.2.2003)

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