Suizidgefährdete ältere Männer

7. Februar 2003, 21:11
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Durchschnittlich scheiden in Österreich vier Menschen pro Tag freiwillig aus dem Leben

Linz - "Mehr als 80 Prozent der Männer sind von ihrer Partnerin emotional abhängig", konstatiert Eduard Waidhofer, Leiter der Linzer Männerberatungsstelle. Im Fall des Todes der Frau oder einer Scheidung werde ihnen ihr soziales Vakuum erst richtig bewusst: mit ein Grund für die relativ hohe Zahl älterer Männer, die Selbstmord begehen.

Durchschnittlich scheiden in Österreich vier Menschen pro Tag freiwillig aus dem Leben. Im Jahr 2001 waren es insgesamt 1498 Todesfälle, um 50 Prozent mehr als im Straßenverkehr. Zwei Fünftel der Selbstmorde werden von über 60-Jährigen begangen. In dieser Gruppe sind zwei Drittel der Opfer männlich.

Wählerisch in sozialen Kontakten

Das Land Oberösterreich hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Selbstmordrate bis zum Jahr 2010 um ein Drittel zu senken. Die Ärztekammer, die Österreichische Gesellschaft für depressive Erkrankungen und die Gesellschaft für psychische Gesundheit pro mente haben gemeinsam eine Kampagne zur Suizidprävention erarbeitet. Ein Schwerpunkt in der Prävention: Männer, die laut Werner Schöny, Obmann von pro mente Oberösterreich, "in ihren sozialen Kontakten wählerisch sind. Wenn die Partnerin stirbt, sind sie hilflos im Alltag."

Präsentiert wurde die Kampagne am Freitag bei einer Pressekonferenz. Unter anderem sollen Kurse für Allgemeinmediziner angeboten werden. Die Ärztekammer arbeitet an einem Leitfaden, der es den Praktikern erleichtern soll, Selbstmordkandidaten zu erkennen. Der diesbezügliche Informationsbedarf ist groß: Aufgrund der zahlreichen Anmeldungen gibt es statt eines einzigen Startseminars gleich drei Kurse. (sf, DER STANDARD Printausgabe 8/9.2.2003)

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