"Krieg ist heutzutage nicht mehr populär"

7. Februar 2003, 18:38
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Fragen Jugendlicher zum Irakkonflikt

Wien - Viele Schüler erhoffen sich eine friedliche Lösung des Irakkonflikts. "Krieg ist heutzutage nicht mehr so populär wie früher. Machtkämpfe sollten nicht militärisch ausgetragen werden", meint der 19-jährige Wilfried. Auch die anderen vom SCHÜLERSTANDARD befragten Jugendlichen stehen dem drohenden Krieg im Irak ähnlich gegenüber. Und: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts market, unter insgesamt 400 Personen, sprechen sich 90 Prozent der 18- bis 29-Jährigen klar gegen einen Angriff auf den Irak aus.

Schwindende Hoffnung

So wie die Jugendlichen ist auch der Bundesheer-Generalstabschef Roland Ertl gegen eine militärische Beteiligung Österreichs: "Man kann hoffen, dass der Irakkonflikt noch ohne militärischen Eingriff gelöst werden kann, aber meinem Gefühl nach ist die Hoffnung klein, schwindend klein", sagt Ertl im Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD. Er teilt damit die Meinung von Christian, 24, der glaubt, dass "die Politiker zwar noch reden werden, aber ein Krieg trotzdem wahrscheinlich ist". Ertl weiter: "Auch wenn im Falle eines Krieges eine Chance des Irak auf "Selbstreinigung" und Befreiung von der Diktatur bestehen könnte, sehe ich darin keinesfalls eine Rechtfertigung für einen Krieg."

Auch zur Frage, inwieweit Österreich im Falle eines Irakkrieges humanitäre Hilfe leisten sollte, standen zwanzig Jugendliche dem SCHÜLERSTANDARD Rede und Antwort. Die Hälfte der Befragten sprach sich aber gegen jegliche Hilfestellung Österreichs aus. "Wir sollten uns aus diesem Problem heraushalten", erklärt der 19-jährige Dani. "Wenn dieser Krieg nicht dort stattfindet, findet er woanders statt. So ist die Menschheit nun einmal."

Der gute Ruf Österreichs innerhalb Europas geht laut Roland Ertl auf die Hilfsbereitschaft zurück. Abseits des Komplexes der Neutralität hätte Hilfe einen moralischen Charakter. "Nicht zum ersten Mal werden wir humanitäre Hilfe anbieten."

Die US-Regierung, allen voran George Bush jr., weicht von einer kriegerischen Lösung nicht ab, während unter der Bevölkerung die ablehnende Haltung zu spüren ist. "Der Konflikt ist ja wirtschaftlich bedingt", sagt Wilfried. Durch den Aufmarsch von Militärmacht würde politische Macht demonstriert und politischer Wille durchgesetzt, meint General Ertl zum SCHÜLERSTANDARD.

Einzig das österreichische Bekenntnis zur Neutralität wirft Unsicherheit auf. Laut Ertl könnte bei Ausbleiben eines UN-Mandats die Stabilität unserer militärischen Neutralität auf die Zerreißprobe gestellt werden, obwohl seiner Meinung nach nicht zugelassen werden kann, "dass unser Luftraum benutzt wird".

Der 19-jährige Gerhard sieht das ähnlich: "Österreich sollte auf keinem Fall einem Überflugsrecht zustimmen." Auch ihm ist die Angst vor einem Krieg, so wie vielen anderen, ins Gesicht geschrieben. (Laura Tezarek, Sandra Mörixbauer, Isabella Weinmann/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.2.2003)

Dieser Artikel entstand im Rahmen des STANDARD-Ferienseminars "Schüler machen Zeitung". Zwölf Jugendliche führten Interviews und Recherchen durch. Alle weiteren Texte finden Sie am 11. 2. 2003 im SCHÜLERSTANDARD.
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