Topmanager für "Experiment" offen

9. Februar 2003, 09:40
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Pragmatismus bei Ökosteuern, Infrastruktur und Konjunkturpolitik vorausgesetzt, befürworten Wirtschaftsvertreter zunehmend Schwarz-Grün

Wien - Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl steht mit seiner großkoalitionären Vorliebe und schwarz-grünen Skepsis bald allein auf weiter Flur. Mehr und mehr Topmanager können sich für die Idee einer Koalition mit der Ökopartei des Wirtschaftsprofessors Alexander Van der Bellen erwärmen. Der Tenor: Wenn sich die grünen Realos innerparteilich gegen Fundamentalpositionen in der Energiebesteuerung, beim Infrastrukturausbau oder in Sozialfragen (Stichwort: "Umverteilung") durchsetzen, könne das "Experiment" durchaus Positives bewirken.

Für Wienerberger-Vorstandschef Wolfgang Reithofer etwa ist das "eine sehr positive und interessante Kombination", vorausgesetzt, der Pragmatismus behält die Oberhand. Reithofer: "Wenn jemand sagt, wir brauchen nicht in jedem Ort eine Autobahn, steh' ich voll dahinter. Aber im notwenigen Ausmaß muss der Straßenausbau in Ostösterreich weitergehen."

"Erfrischender Zugang zur EU-Erweiterung"

Seit die Gespräche mit der SPÖ auf Eis liegen, betont auch Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, stärker das Verbindende zu den Grünen, etwa im "sehr erfrischenden Zugang" zur Frage der EU-Erweiterung. Für Fritz stehen Pensions-, Gesundheits- und Verwaltungsreform im Vordergrund, gleichzeitig gelte es die Konjunktur anzukurbeln. Und der "Koalitionspartner darf dieses Projekt nicht zu verwässern. Die SPÖ hat sich da wegen Unbeweglichkeit aus dem Spiel genommen."

"Reformen angehen"

Auch Manager wie KTM-Chef Stefan Pierer oder BBAG-Boss Karl Büche können sich Schwarz-Grün vorstellen. Pierer: "Es ist grundsätzlich richtig, dass im Verkehr keine Kostenwahrheit herrscht. Aber es gehört beim Roadpricing Realismus her, denn wir stehen im internationalen Wettbewerb." Büche: "Auch Schwarz-Grün muss die Reformen für den Standort angehen, dann haben wir kein Problem damit."

Am liebsten gar nicht zu seiner Einschätzung befragt werden will der Papierindustrielle Thomas Prinzhorn. Auf die Frage, wie sehen Sie Schwarz-Grün als Wirtschaftstreibender, sagt der Freiheitliche nur: "Das Theater ist mir schon zu viel. Ich kümmere mich jetzt um meine Firmen und den Nationalrat." (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 8.2.2003)

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    Einst erbitterte Gegner, nur ein gemeinsames Vorhaben: Manager hegen Sympathien für Schwarz-Grün.

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