Ian Wilmut will medizinisch Klonen

7. Februar 2003, 18:13
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Der "Dolly"-Schöpfer auf dem Weg zur reproduzierten Leberzelle

Saarbrücken - Der britische Klon-Pionier Ian Wilmut will menschliche Embryonen zu medizinischen Zwecken klonen. "Ich habe die Erlaubnis noch nicht, und ich habe sie auch noch nicht beantragt. Allerdings plane ich, das irgendwann im Sommer zu tun", sagte der Schöpfer des weltweit ersten Klonschafs "Dolly" in einem Interview der "Saarbrücker Zeitung" vom Freitag.

Er wolle mit diesem so genannten therapeutischen Klonen Leberzellen für die Suche nach patientenspezifischen Medikamenten herstellen und genetische Krankheiten untersuchen. In Großbritannien ist das Klonen zu medizinischen Zwecken erlaubt.

Keine Klonbabys

Wilmut sprach sich zugleich strikt gegen das Herstellen von Klonbabys aus. "Man muss sich selbst fragen: Wie wäre es, ein geklontes Kind zu sein?" Er nannte als Beispiel einen möglichen Druck auf Kinder von Leistungssportlern wie die Söhne des britischen Fußballers David Beckham. "Wenn einer der Söhne ein genetischer Zwilling des eigenen Vaters wäre, dann wäre der Druck auf dieses Kind natürlich umso größer, wirklich Fußballer zu werden."

Jeder solle ein Kind als ein völlig anderes, neues Lebewesen akzeptieren, sagte Wilmut. "Man sollte Kinder dazu ermutigen, genau das zu werden, was sie werden wollen, und nicht das, was sich irgendjemand anderes vorstellt." Zudem könne man Schäden des Embryos, Totgeburten und Gesundheitsstörungen der Kinder beim Klonen nicht vermeiden. "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das Klonen von Menschen jemals sicher sein wird."

Raelianer unglaubwürdig

Wilmut bezeichnete es als sehr unwahrscheinlich, dass die Realianer-Sekte, wie von ihr behauptet, ein Klon-Baby geschaffen habe, ja dass sie es überhaupt versucht habe. "Die Raelianer haben niemals gezeigt, dass sie Erfahrung mit dem Klonen von Tieren haben. Auch haben sie niemals Geräte gezeigt, die dafür nötig sind. Bisher gibt es keinen einzigen Beweis." (APA/dpa)

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