Ein paar Soldaten sind noch keine "Präsenz"

7. Februar 2003, 16:58
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Wenig Angst vor einer Destabilisierung durch einen Irakkrieg in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Abu Dhabi - Der hohe Regierungsoffizielle versucht nicht, die Präsenz von US-Soldaten im Land, den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu leugnen: die paar, da kann man im Vergleich mit den über 100.000, die bereits am Golf sind, ja nicht einmal von "Präsenz" sprechen. Aber anders als 1991 werden sich die Emirate nicht an einem Krieg gegen den Irak beteiligen, sagt er - diese Aussage ist jedoch immerhin mit einem "glaube ich" versehen.

Die Situation in den arabischen Ländern ist insofern nicht viel anders als im Westen, als auch dort die Haltungen der Regierenden und der Straße auseinander klaffen. Zwar sind die Regime am Golf vordergründig gegen einen Krieg - "auch Israel hat Massenvernichtungswaffen" -, dagegen unternehmen werden sie nichts. Weil sie nicht können, sagt der Offizielle bescheiden, der dem "dummen Saddam" aber gleichzeitig nichts Gutes wünscht. Die Emirate sind ein Meister der unverbindlich guten Beziehungen zu jedermann, was manchmal Rätsel aufgibt, wenn etwa wie erst Ende November des Vorjahres die diplomatischen Beziehungen zu Bagdad wieder normalisiert werden, fast zwölf Jahre nach Kriegsende und mittelbar vor Beginn des nächsten.

Dass ein Krieg kommt, daran zweifelt eigentlich niemand; die die Region verlassenden Flüge sind in den nächsten Wochen überdurchschnittlich gebucht. Tatsächlich sind die Befürchtungen aber eher allgemeiner, wirtschaftlicher Natur. Nach dem 11. September 2001 mussten die Emirate zwar Einbußen in Tourismus und Handel hinnehmen, erfreuten sich jedoch durch die Trübung der US- saudischen Beziehungen einer neuen Investitionswelle: Das Land gilt eben als stabiler als das wahhabitische Königreich. Die Absenz aller Sicherheitsvorkehrungen bei einer dieser Tage stattfindenden Energie-und-Umwelt- Konferenz in Abu Dhabi, zu der Minister aus allen arabischen Ländern anreisten, war geradezu frappierend, von Terrorismusangst keine Spur.

Auch Scheich Zayed, Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der Emirate, reist zwar mit ausländischer Security durch das Land, ist aber beinahe ein Herrscher zum Anfassen. Dass man selbst Ziel der Domino-Theorie sein könnte, die nach dem Willen neokonservativer US-Kreise nach dem irakischen auch alle anderen arabischen Regime zu Fall bringen soll, glaubt man - zumindest offiziell - nicht: "Nur Regime, die ihren Menschen keine Würde geben", seien damit gemeint, und damit es ja keine Missverständnisse gibt, fügt der Offizielle emiratisch-diplomatisch hinzu: "Man kann auch nicht sagen, dass Saudi-Arabien eine Despotie ist." (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.2.2003)

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