Erfolgreicher Manager - Umstrittener Politiker

7. Februar 2003, 17:02
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Josef Taus feiert den 70er - Bedauern über vergebene Chancen der verstaatlichten Industrie

Wien - Als Manager und Unternehmer feierte er Erfolge und wurde allgemein anerkannt, als Politiker blieb er umstritten. Josef Taus, der am Samstag 70 Jahre alt wird, wäre ein exzellenter Finanzminister geworden, meinte einer seiner engsten Freunde, Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl. Der Jubilar selbst hätte sich in dieser Position sicher wohl gefühlt. Denn auf die Frage, ob er sich eher als Wirtschafter oder als Politiker sieht, antwortete er ohne zu zögern: "Wirtschafter und Wirtschaftspolitiker."

"Einspringer"

Seine Rolle in der Politik definierte Taus bescheiden als "Einspringer". Zweimal rief ihn seine Partei, die ÖVP, und jedes Mal folgte er diesem Ruf. Von April 1966 bis März 1967 amtierte er als Staatssekretär im damaligen Bundesministerium für Verkehr und verstaatlichte Unternehmen. Und im Juli 1975 wurde er nach dem Unfalltod von Karl Schleinzer zum neuen Bundesparteiobmann der ÖVP gewählt und musste nur wenige Monate später seine erste Nationalratswahl schlagen.

Tapfer gegen Kreisky

Gegen den amtierenden Bundeskanzler Bruno Kreisky, damals am Zenit seiner Macht und Popularität, war er zwar chancenlos, schlug sich aber dennoch tapfer. Sowohl damals als auch vier Jahre später hielt er die ÖVP über der 40-Prozent-Marke - ein Niveau, das sie in der Folge erst wieder im November vorigen Jahres erreichen sollte. 1979 trat er als Parteiobmann zurück, weil ihm die Reorganisation der ÖVP mit stärkerer bundespolitischer Ausrichtung nicht gelang. Als Industriesprecher im Parlament stand er seiner Partei aber noch bis 1991 zur Verfügung.

"Das Land braucht zehn bis zwölf Konzerne"

Taus lag besonders die verstaatlichte Industrie am Herzen. "Das Land braucht zehn bis zwölf Konzerne", erklärte er im Gespräch mit dem STANDARD. "Die Verstaatlichte hätte der Nukleus dazu sein können". Dass die Verstaatlichten Holding ÖIAG jetzt auf "Verkaufstour" ist, will er nicht kommentieren, kann aber sein Bedauern über diese Wendung nicht verbergen. "Mit der Zerschlagung der Verstaatlichten hat die SPÖ begonnen", kann er seine Verbitterung kaum verbergen.

Firmenimperium

Was ihm mit der Verstaatlichten nicht gelang, holte er in kleinerem Maßstab als Privatunternehmer nach. Von 1989 an baute er sich ein Firmenimperium auf, das bereits aus knapp drei Dutzend Unternehmen, darunter die Druckerei Herold, besteht. Seine jüngste Neuerwerbung: Im November vorigen Jahres übernahm er die insolvente Papier- und Buchhandelskette Libro, die er innerhalb von zwei Jahren sanieren will. "Wir werden schauen, ob wir das zusammenbringen", unterspielt er. (gb, ung, DER STANDARD, Printausgabe 8.2.2003)

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    Josef Taus: "Wirtschafter und Wirtschaftspolitiker."

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