Warum vergiften wir die Umwelt,

9. Februar 2003, 16:45
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... obwohl wir in ihr leben müssen? Warum schicken wir unsere Kinder in ein Biotop, das wir zerstören?

Die Menschheit, ist sie nicht unser Kreuz, haben wir sie denn dazu gemacht? Vielleicht sind wir gar mit ihm festgewachsen.
Die Redaktion ist sich bewusst: Heute fragen wir wieder einmal so, dass für viele verschiedene Antworten Raum ist. Sie werden einen rationalen Kern haben, aber das Irrationale des menschlichen Tuns schwerlich wegerklären können.

Denken Sie an das Absurde, das Irrationale, das hinter dieser Frage steht. Sie führt sehr anschaulich das widersprüchliche Denken und Handeln im Menschen vor Augen. Arterhaltung geht einher mit ihrer Destruktion. Zur Erhalten der Art gehört auch die des Biotops. Und gerade hier scheint das Zerstörungsprinzip Oberhand erlangt zu haben.

Entkopplungsversuche

Entkopplungsversuche gibt es natürlich. Umweltorganisationen wie Greenpeace und Global 2000 scheinen das Unmögliche zu wollen, wenn sie mit Schlauchbooten den Walfang stoppen oder die Mahlzeit verweigern, damit Temelin abgeschaltet wird.
Hungerstreik gibt es aber auch von ganz anderer Seite. Der italienische "Klon-Professor" Severino Antinori verweigerte das Essen, bis ihm Regierungschef Berlusconi das Wohl der Forschung und der Wissenschaft, also auch der Reproduktionsmedizin zusicherte. Hier wird für den intakten Lebensraum demonstriert, dort für die Beschleunigung der Natur-Beherrschung durch den Menschen und zugleich für ein neues Arterhaltungsprinzip. Beide Seiten vertreten ihre Sache äußerst enthusiastisch, auch wenn beiden bewusst ist, dass die Erde, unser Menscheits-Biotop, im Großen und Ganzen nicht zu retten ist.

Bürger-"Gewalt" versus politische Gewalt streift unser Thema. Die Schwierigkeit, Verantwortung und Entscheidungsgewalt miteinander in Einklang zu bringen und die (Ohn-)Macht der Demokratie sind von jeher Randerscheinungen eines Lebens miteinander. Wann Entscheidungen rational sind und inwiefern die Definition, was vernünftig ist, von den Entscheidern abhängt - sie müssen ja unterschiedlichen Interessen Rechnung tragen - sind Folgefragen. Sie treten auf, wenn Politik und Wirtschaft den Umgang mit der Umwelt mitbestimmen. Das zeigt sich auch jetzt, wo es um eine mögliche schwarz-grüne Regierungsbildung geht, mit einem solchen Tenor aus der Wirtschaft: Wenn sich die grünen Realos innerparteilich gegen Fundamentalpositionen in der Energiebesteuerung, beim Infrastrukturausbau oder in Sozialfragen durchsetzen, könnte das Koalitionsexperiment Positives bewirken.

Die Redaktion bedankt sich für die Frage der Woche bei Maria Winterleitner aus Graz und gratuliert herzlich. (red)

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    Strand bei Muxia in Galizien: Freiwillige reinigen den Strand nach der Ölpest, die durch das Auseinanderbrechen des Tankers Prestige ausgelöst wurde.

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