Deutsche Bank mit aufgepäppeltem Gewinn

7. Februar 2003, 15:15
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Massive Verkäufe sichern Branchenprimus Gewinn-Verdoppelung

Frankfurt - Die Deutsche Bank hat im schwersten Bankenjahr der Nachkriegsgeschichte ihren Gewinn 2002 nahezu verdoppelt. Ohne den massiven Verkauf von Tafelsilber hätte es allerdings nur für eine schwarze Null gereicht. Belastet wurde das Ergebnis durch die stark gestiegene Risikovorsorge für faule Kredite und Einbrüche im Handelsergebnis.

Für 2003 ist der Branchenprimus optimistisch: "Bei der Risikovorsorge im Kreditgeschäft ist der Höhepunkt überschritten und unsere Kostenbasis fällt", sagte der neue Vorstandssprecher, Josef Ackermann, am Freitag in Frankfurt. Den Jahresauftakt beurteilte Ackermann positiv. "Wir denken, dass die Perspektiven für das laufende Geschäftsjahr besser sind als im letzten Jahr und gehen davon aus, dass selbst eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland nur einen begrenzten Effekt auf unseren Risikovorsorgebedarf haben sollte." Die Bank werde sich weiter auf ihre Kerngeschäftsfelder konzentrieren und setze auf organisches Wachstum ergänzt durch ausgewählte Akquisitionen.

Im vergangenen Jahr lag das Ergebnis vor Steuern bei 3,5 (2001: 1,8) Mrd. Euro. Allein der Verkauf von Beteiligungen brachte ebenfalls 3,5 Mrd. Euro ein. Dagegen ging der Zinsüberschuss um 17 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro zurück. Das Handelsergebnis brach um ein Drittel auf 4 Mrd. Euro ein. Auch die mit 2,1 Mrd. Euro doppelt so hohe Risikovorsorge belastete das Ergebnis. Die Aktionäre sollen wie im vergangenen Jahr eine Dividende von 1,30 Euro je Aktie erhalten.

Der harte Konzernumbau der vergangenen acht Monate schlägt sich ebenfalls deutlich im Zahlenwerk nieder. Die Kostenbasis ist nach Worten Ackermanns vor allem wegen des Personalabbaus um 4 Mrd. Euro auf 19 Mrd. Euro gesunken. Das ist bereits mehr als der Schweizer für Ende 2003 angekündigt hatte.

Die geplante Streichung von weltweit 14.470 Arbeitsplätzen sei damit zu 80 Prozent abgeschlossen. Hinzu kämen noch Stellen, die im Zuge der Auslagerung von Geschäftsbereichen von anderen Unternehmen übernommen würden. Dadurch werde sich die Belegschaftsstärke bis zum Jahresende auf knapp 70.000 Personen verringern. Ende Jänner beschäftigte das Geldhaus noch 72.000 Mitarbeiter.

Das hohe Tempo bei den Beteiligungsverkäufen wird Ackermann nun erst einmal drosseln. "Im Moment lassen die Aktienmärkte das anders nicht zu, in der nächsten Phase werden sie von uns keine Verkäufe sehen", betonte der 55-Jährige. An seiner grundsätzlichen Strategie, sich von Beteiligungen trennen zu wollen, ändere dies aber nichts. Unter anderem verkaufte das Kreditinstitut im vergangenen Jahr seine Anteile an der Deutschen Börse dem Heizungsbauer Buderus und den Autozulieferer Continental. Auch die Kabelnetztochter Telecolumbus sei zum Verkauf gestellt.

In naher Zukunft erwartet Ackermann keine größeren Bankenfusionen in Deutschland. "Auch Teilfusionen sind sehr problematisch." Sein Haus sei gut aufgestellt und werde sich an Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes nicht aktiv beteiligen.

Die Aktie der Deutschen Bank notierte am Mittag nach anfänglichen Kursgewinnen 0,9 Prozent im Minus bei 38,68 Euro. Der europäische Bankenindex legte indes 0,5 Prozent zu. (APA/dpa/Reuters)

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