NASA: Jede mögliche Theorie wird geprüft

9. Februar 2003, 09:31
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Noch keine neuen Erkenntnisse zur Ursache des Absturzes - die letzten Sekunden der Raumfähre sollen rekonstruiert werden

Houston - Die US-Weltraumbehörde NASA hat nach Überlegungen zur Theorie und deren anschließender Verwerfung am Donnerstag ebendiese am Freitag doch wieder als Möglichkeit, wenn auch entfernte, angenommen. Über die Absturzursache gebe es noch keine neuen Erkenntnisse, erklärte Ron Dittmore, der Direktor des Raumfähren-Programms der NASA. Ausgeschlossen wird keine Möglichkeit. Dazu gehöre auch die Theorie, dass ein beim Start abgesplittertes Stück Schaumstoffisolierung die Katastrophe ausgelöst haben könnte. Es sei zwar "schwer zu verstehen", wie dies hätte passieren können, aber dennoch würde diese Theorie derzeit getestet.

Ausgeschlossen wird auch nicht, dass der Orbiter von Weltraummüll getroffen wurde. Auch ein kleines Stück Raum-Müll, das den Hitzeschild des Shuttle ankratzt und beschädigt, könnte nach Auffassung der Ingenieure eine Kettenreaktion auslösen. Auch eine Explosion an Bord sei nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.

Rekonstruktion

Aufschluss erhofft sich die NASA von der Rekonstruktion der letzten Sekunden vor dem Auseinanderbrechen der "Columbia". Die Ingenieure versuchen fieberhaft, die Daten der letzten Sekunden wiederherzustellen. Die Signale waren so schwach, dass die Computer der Bodenkontrolle sie verwarfen. "Vielleicht helfen uns diese 32 Sekunden, den Ablauf der Ereignisse nachzuvollziehen", sagte Dittemore.

Die "Columbia" war kurz vor der Landung auseinander gebrochen und über Texas abgestürzt. Alle sieben AstronautInnen an Bord kamen ums Leben.

Problem auf der linken Shuttle-Seite

Fest zu stehen scheint, dass das Problem offenbar auf der linken Seite der Raumfähre lag. Dort registrierten die Sensoren vor dem Absturz einen ungewöhnlich starken Temperaturanstieg. Etwas an der linken Tragfläche - "wir wissen nicht, was" - habe den Luftwiderstand erhöht und die "Columbia" nach links gezogen. Der Autopilot versuchte vergeblich, die Stabilität der Raumfähre wiederherzustellen. Kurz bevor die letzten Funksignale die Bodenkontrollstation erreichten, sei klar gewesen, "dass wir die Schlacht verlieren", sagte Dittemore.

Trümmer

Wichtige Hinweise erhofft sich die NASA auch von der Untersuchung der Trümmerteile, die in den US-Staaten Texas und Louisiana geborgen wurden, darunter auch die Shuttle-Spitze. Die Suche wurde mittlerweile auf Kalifornien ausgedehnt. Die Raumfahrtbehörde hofft, in den vor der Katastrophe überflogenen Staaten abgerissene Hitzeschutzkacheln zu finden.

In dem gut sechzehn Kilometer breiten und fast 170 Kilometer langen "Trümmergürtel" zwischen Texas und Louisiana haben die Suchmannschaften bisher mehrere tausend Wrackteile gefunden. Am Dienstag war ein großes Stück des Triebwerks der "Columbia" entdeckt, einen Tag zuvor in der Nähe die Nase der Fähre gefunden worden. Bisher sind nach Angaben der NASA keine entscheidenden Trümmer gefunden worden, aber man setzt nun auch Hubschrauber und andere Flugzeuge zur Suche ein. (APA/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ron Dittemore, der Direktor des Raumfähren- Programms der NASA, zeigt eine Schaumstoff- Isolierung.

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