Einsam im Alter

10. Februar 2003, 11:58
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Österreich: Die Zahl der älteren Menschen, die Suizid begehen, ist stark gestiegen

Linz - Die Zahl der älteren Menschen, die als "letzten Ausweg" aus einer Krisensituation nur mehr den Suizid sehen, ist stark angestiegen. Österreichweit würden rund 40 Prozent der Selbstmorde von Menschen über 60 verübt werden, so der ärztliche Leiter des Linzer Wagner-Jauregg Krankenhauses, Werner Schöny, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der oberösterreichischen Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger (S) und dem Präsidenten der österreichischen Ärztekammer, Otto Pjeta, am Freitag in Linz.

Einsamkeit und Krankheit

Der Grund für den spürbaren Anstieg der Senioren-Selbstmorde liege, erläuterte Schöny, unter anderem auch "im Älterwerden" selbst: Gerade Menschen über 60 haben manchmal mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen oder können oft den plötzlichen Tod eines Partners und die damit verbundene Einsamkeit nicht verkraften.

In Österreich beenden im Schnitt täglich vier Menschen ihr Leben durch die eigene Hand. Um hier gegenzusteuern, habe sich das Land Oberösterreich als "Gesundheitsziel die Senkung der Suizidalrate um ein Drittel bis zum Jahr 2010 gesetzt", erklärte Stöger. Mit der Umsetzung der Suizid-Präventions-Kampagne wurde der Verein "pro mente OÖ" beauftragt. Die Strategie dieses Modells sei aus erfolgreichen Projekten in anderen europäischen Ländern abgeleitet.

Ausbildung

"Die Mitarbeiter der Gesundheits- und anderer Fürsorgeberufe sollen besser ausgebildet werden, Risikofaktoren zu erkennen und anzugehen, und zwar durch Anwendung geeigneter neuer Instrumente zur Früherkennung von psychischen Störungen und durch Behandlung solcher Probleme nach modernen Methoden", erläuterte Stöger.

Angeboten werden in Zukunft unter anderem spezielle Seminare und Weiterbildungsangebote, Vorträge in den Gemeinden, sowie eine breite Informationsoffensive im gesamten Bundesland. "Prävention von Suiziden ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspolitik - gerade das rechtzeitige Erkennen und Annehmen einer Krisensituation ist der erste Weg, um fatale Suizidhandlungen zu verhindern", erklärte Schöny.

Derzeit würden oberösterreichische ärztliche Experten "Leitlinien für Depressionen und Suizidprävention" entwickeln, die den einzelnen Ärzten in den Praxen als Hilfestellung zur Früherkennung von Problemfällen dienen sollen, berichtete Pjeta. (APA)

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    Gerade Menschen über 60 haben manchmal mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen oder den Tod eines Partners, einer Partnerin zu verschmerzen.

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