Kein Ende der Jobmisere in Sicht

7. Februar 2003, 14:12
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AMS rechnet frühestens 2004 mit Trendwende und warnt vor Abschaffung der Frühpension

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird heuer weiter steigen, mit einer leichten Entspannung ist erst im Jahr 2004 zu rechnen, betonte der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Herbert Buchinger, am Freitag bei der Präsentation des Jahresprogramms 2003 gemeinsam mit seinem Co-Vorstand Herbert Böhm. Die Zahl der Jobsuchenden wird 2003 um rund 2,6 Prozent oder um 6.000 Betroffene auf rund 237.900 Arbeitslose klettern. Die Arbeitslosenrate wird heuer nach EU-Kriterien von 4 auf 4,2 Prozent, die nationale Quote von 6,9 auf 7,0 Prozent steigen.

Wie bereits im Vorjahr wird es auch heuer zu einer deutlichen Steigerung des Arbeitskräfteangebotes kommen, so Buchinger. Als Gründe nannte er die steigende Erwerbstätigkeit bei Frauen und das Hinaufsetzen des Pensionsalters. Nachdem die Zahl der aktiven Beschäftigten (ohne Präsenzdiener und Kindergeldbezieher) im Vorjahr um rund 14.600 oder um 0,5 Prozent geschrumpft ist, erwartet Buchinger heuer wieder ein leichtes Plus um 0,1 Prozent auf 3.067.900.

2005 bringt endgültige Wende

Nach einer leichten Entspannung im Jahr 2004 rechnet Buchinger erst 2005 mit deutlich sinkenden Arbeitslosenzahlen. Die Zahl der Jobsuchenden werde dann in etwa das Niveau von 2001 mit rund 204.000 Jobsuchenden im Jahresschnitt erreichen. Die Auswirkungen der von der Regierung geplanten Abschaffung der Frühpensionen seien jedoch in diesen Prognosen noch nicht berücksichtigt, betonte Buchinger. Diese Maßnahme werde zu einem deutlichen Anstieg des Arbeitskräfteangebotes und zwar um rund 85.000 Personen und damit auch zu steigenden Arbeitslosenzahlen führen. Die bestehenden Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik werden nicht ausreichen, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken.

Dem Arbeitsmarktservice stehen heuer 692 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung, das sind um 11,65 Prozent mehr als im vorangegangen Jahr. Im Budget enthalten sind 80 Mio. Euro aus der Auflösung der Arbeitsmarktrücklage für das Sonderprogramm für Jugendliche. Rechnet man die aus passiven in aktive Mittel umgewandelten Beträge dazu (z.B. für Arbeitsstiftungen) stehen dem AMS zur Umsetzung der arbeitsmarktpolitischen Programme rund 1 Mrd. Euro zur Verfügung.

Jugendarbeitslosigkeit zentrales Anliegen

Das AMS wird die Budgetmittel auch heuer wieder schwerpunktmäßig zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und zur Vermittlung älterer Jobsuchender und Langzeitarbeitsloser einsetzen. In den Ausbildungslehrgängen für Jugendliche im Rahmen des Jugendausbildungsgesetzes waren Mitte Jänner rund 3.200 Jugendliche untergebracht. Die Zahl der Lehrgänge, so Buchinger, werde jetzt um 700 weitere Ausbildungsplätze aufgestockt.

Als kritisch bezeichneten die AMS-Chefs heute die derzeitige Personalsituation des AMS. ES fehlen zwischen 50 und 100 Mitarbeiter, so Buchinger. Man habe dem Verwaltungsrat und dem Ministerium ein entsprechendes Konzept unter Berücksichtigung des Rationierungspotenziales vorgelegt. Der zusätzliche Personalbedarf, der sich ausschließlich auf Wien bezieht, werde derzeit von einem externen Gutachter überprüft. Die Betreuung von schwer vermittelbaren Arbeitslosen in Wien wird derzeit ausgelagert. (APA)

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