Spanien kauft Pockenimpfstoff

7. Februar 2003, 12:52
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Türken stürmen Apotheken auf Suche nach Gegenmittel für Nervengas - USA interessiert an Spezialtrupps

Madrid/Istanbul - Aus Furcht vor Anschlägen mit Biowaffen bei einem drohenden Irak-Krieg hat sich auch Spanien jetzt mit Pocken-Impfstoff eingedeckt. Über das Gesundheits- und das Verteidigungsministerium seien zwei Millionen zusätzliche Impfdosen gekauft worden, berichtete die Presse am Freitag. Diese seien vor allem für die Streitkräfte gedacht, hieß es. Mit einer Gefährdung der Bevölkerung rechneten die Behörden derzeit nicht. Spanien reagierte damit auf die Warnungen von US-Außenminister Colin Powell, der Irak sei in der Lage, Pockenerreger zu produzieren. Die Viruskrankheit gilt eigentlich seit 1980 als ausgerottet.

Nach einem Bericht der Zeitung "El Mundo" haben sich die USA erkundigt, ob Spanien im Falle eines Irak-Krieges Spezialeinheiten zur Bekämpfung biologischer und chemischer Kampfstoffe zur Verfügung stellen könnte. Zwar gebe es noch keine offizielle Anfrage aus Washington, Madrid sei aber grundsätzlich zu einem solchen Beitrag bereit, wurde ein Regierungsmitglied zitiert. Spanien verfügt über eine entsprechende, rund 300 Mann starke Spezialeinheit, die in Valencia stationiert ist. Ministerpräsident Jose Maria Aznar unterstützt die harte Linie der USA in der Irak-Krise.

Angst vor Giftgasangriffen in der Türkei

Aus Furcht vor irakischen Giftgas-Angriffen stürmen viele Türken einem Pressebericht zufolge die Apotheken des Landes, um sich mit dem Gegenmittel Atropin zu versorgen. Der Chef des türkischen Apothekerverbandes, Mehmet Domac, sagte der Zeitung "Tercüman" vom Freitag, bei weiter steigender Nachfrage könne die Herstellung von Atropin in der Türkei problemlos erhöht werden.

Experten warnen vor falscher Anwendung

Domac forderte seine Landsleute aber auf, beim Gebrauch des Mittels sehr vorsichtig zu sein. Vor der Anwendung sollte unbedingt der Rat eines Fachmanns eingeholt werden. Presseberichten zufolge hatte der Irak vor Monaten damit begonnen, im Ausland Atropin einzukaufen, um die eigenen Soldaten vor den Folgen eines Giftgaseinsatzes zu schützen. Fucht vor einem möglichen Gasangriff der Iraker hat in der Türkei auch zu einem verstärkten Interesse an anderen Schutzmitteln geführt. So bieten Geschäfte in den Städten nahe der irakischen Grenze Medienberichten zufolge jetzt Gasmasken an.(APA/dpa)

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